Mittwoch, 20. September 2017

Abenteuer in der Agrarsteppe

Immer nur auf ausgetretenen Pfaden wandern, ist ja auch langweilig, dachten wir uns, als wir neulich eine unserer beiden Lieblingsrunden mit den Hunden gingen. An einer Stelle, an der wir normalerweise immer rechts abbiegen, gingen wir diesmal geradeaus – einfach nur, weil wir neugierig waren und wissen wollten, wohin uns der Weg führen würde. Doch irgendwann nach etwa einem Kilometer war der schöne Weg zu Ende. Wir standen vor einem Maisfeld mit den schon mehr als zwei Meter hohen Pflanzen wie vor einer grünen Wand. Umdrehen? Na, wenn es denn sein muss ...
Doch da entdeckten wir eine Schneise im Maisfeld, die offenbar für die Feldberegnungsanlage vorgesehen war.
Irgendwie ein merkwürdiges Gefühl, auf Augenhöhe mit den Maiskolben durch so eine Grünschneise zu spazieren.
Am Ende der Schneise durch die Agrarsteppe trafen wir, wie erhofft, auf einen Querweg, den wir kannten und der uns wieder auf die alte Route führte.

Marsch mitten durch den Mais. Uns kam es vor wie auf dem Highway zur grünen Hölle.

Montag, 11. September 2017

Nadelbaum mit Blättern

Eine Kiefer ist doch ein Nadelbaum, oder etwa nicht? Diese hier hat aber offenbar Blätter.
Nanu, was ist denn das für eine merkwürdige Kiefer? Die hat ja lauter Blätter am Stamm. Aber Kiefern haben doch Nadeln, und die sitzen oben in der Krone und nicht unten am Stamm. Das muss ich mir aus der Nähe anschauen ...
Der beiderseits von einem schmalen Streifen Wald gesäumte Weg führt geradewegs ins Moor – und endet nach etwa einem Kilometer dort, wo es feucht wird, zu feucht für die Landwirtschaft. Die grün belaubte Kiefer steht ziemlich am Anfang des Weges im Wald. Ich gehe zu Dir – und sehe, dass wilder Wein am Stamm emporrankt. Anhand der Blattform und aufgrund der Wuchses tippe ich auf die Selbstkletternde Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia), eine Kletterpflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 30m erreicht und somit durchaus in der Lage ist, in einigen Jahren die Krone der Kiefer zu erreichen. Die Heimat dieses Kletterkünstlers ist der östliche Teil Nordamerikas. Wie kommt sie von dort zu uns in den norddeutschen Wald?
Des Rätsels Lösung: In der Nähe der Kiefer steht ein stattlicher Rhabarber, und der deutet darauf hin, dass hier jemand vor einigen Jahren Gartenabfälle abgeladen hat. Zusammen mit dem Rhabarber muss auch die Jungfernreber dorthin gekommen sein, denn sie wird als wilder Wein gerne zur Fassadenbegrünung gepflanzt.
Gartenabfälle im Wald zu entsorgen anstatt sie auf dem eigenen Grundstück zu kompostieren, ist eine einerseits weit verbreitete Unsitte, die zur Verfälschung der heimischen Flora beiträgt. Andererseits ist es auch immer wieder spannend zu sehen, wie sich die aus den Gärten kommenden Migranten in die Waldgesellschaft integrieren – in den meisten Fällen erstaunlich gut.

Dienstag, 5. September 2017

Schnappschuss als Suchbild

Nanu, den Blick aus dem Küchenfenster auf die üppig blühende Rispenhortensie im Innenhof hatte wir doch gerade erst, oder? Naja, es ist schon wieder fast einen Monat her, dass wir das Foto hier gepostet haben. Das aktuelle Foto ist nicht halb so schön wie das damalige, aber es ist ja auch nur ein iPad-Schnappschuss. Die Kamera war gerade nicht griffbereit, als sich uns heute dieses Suchbild zeigte:

Man muss schon etwas genauer hinzugucken, um zu entdecken, was sich in diesem Suchbild versteckt. Kleiner Hinweis: Da begibt sich jemand auf eine waghalsige Kletterpartie.

Sonntag, 27. August 2017

Durch die "Wildnis"

Der Weg vom Moor in den Wald führt durch die "Wildnis".
Kilometerweit führen die Wege als von Bäumen gesäumte Dämme ins Moor hinein – und dann enden sie abrupt mitten in der "Wildnis". Wir könnten natürlich einfach querfeldein weitergehen, aber das wäre sogar jetzt im Sommer eine feuchte Angelegenheit. Noch nicht einmal mit Gummistiefeln kämen wir trockenen Fußes vom Moor in den dahinter liegenden Wald. Eine Rundtour fällt somit flach. Schade eigentlich ...
Aber einen Verbindungsweg gibt es doch. In den amtlichen Landkarten der Landesvermessung ist er sogar eingezeichnet. Ein kleiner, brauner Strich, der sich durch die Landschaft schlängelt. Wir sind ihn schon oft gegangen, waren aber außer ein paar Jägern und Holzfällern offenbar die einzigen, die sich dorthin "verirrt" hatten. Mittlerweile ist der Weg so zugewachsen, dass wir demnächst ein Buschmesser bräuchten, um auf ihm voran zu kommen. Besonders fies sind die Brombeerranken mit ihren Dornen. Die Hunde tragen wir über die Dornen hinweg. Neuerdings müssen wir auch noch über einen umgestürzten Baum klettern. Erst dann können wir auf einem immer morscher werdenden Steg, der aus einem schmalen, rutschigen Brett besteht, den kleinen Bach überqueren. Über den breiteren Bach am Waldrand gibt es zum Glück eine kleine Brücke.
Es ist jedes Mal eine kleine Expedition, so durch die "Wildnis" zu stapfen, aber es macht auch Spaß, denn es hat ja auch etwas von einem Abenteuer.

Sonntag, 20. August 2017

Kleine Belohnung nach dem Wandern

Buchweizenwaffeln mit pürierten Brombeeren und veganer Schlagsahne.
Wenn wir von einer unserer zehn bis zwanzig Kilometer langen Wandertouren mit den Hunden zurückkommen, freuen wir uns auf die Kaffeepause. Zum Kaffee gab es heute als schöne Alternative zu Kuchen Buchweizenwaffeln aus frisch gemahlenem Buchweizenmehl mit pürierten Brombeeren aus unserem Garten und Schlagsahne – selbstverständlich alles vegan zubereitet. Sehr lecker – und vollwertig und vitaminreich obendrein.
Natürlich bekamen auch die Hunde eine kleine Belohnung nach dem Wandern: ihre Lieblings-Hundekekse.

Unerwünschter Einwanderer

Drüsiges Springkraut, heute an einer Graben-
böschung fotografiert.
Wunderschön blüht jetzt vielerorts das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) – zur Freude der Bienen und Hummeln. Allerdings gilt die auch als Indisches Springkraut oder Himalaya-Balsamine bekannte Pflanze als unerwünschter Einwanderer, den es zu bekämpfen gilt.
Im Juni setzte die EU das Springkraut auf die Liste inversiver Arten, deren Verbreitung Anlass zur Sorge gibt, da sie einheimische Arten verdrängen könnten. Die Naturschutzverbände begrüßen diesen Schritt der Brüsseler Bürokraten. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die darauf verweisen, dass das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Gartenzierpflanze aus Indien nach Europa eingeführte Springkraut als späte Bienenweide eine erhebliche Bedeutung hat. Fakt ist jedoch, dass sich das Springkraut am manchen Standorten explosionsartig ausbreitet. Das liegt auch an seinem geradezu genialen Verbreitungsmechanismus, bei dem die reifen Samenkapseln unter anderem durch mechanischen Reiz aufspringen und die Samen weit herausgeschleudert werden. Nicht nur für Kinder ist es ein Riesenspaß, die reifen Samenkapseln mit dem Finger anzutippen, um sie aufspringen zu lassen.

In der Blüte unten rechts ist gerade eine Hummel verschwunden. Oben links sind schon einige dicke, reife Samenkapseln zu sehen, die bei Berührung aufspringen – und namensgebend für die Gattung Springkraut sind.

Freitag, 18. August 2017

Auf dem Berg leuchten Kerzen

Auf dem brach liegenden Wildacker oben auf dem Hässelberg haben sich Königskerzen breit gemacht. 
Kerzengerade und
über zwei Meter hoch.
Oben auf dem Hässelberg bei Hankensbüttel befindet sich ein Wildacker. Solche Flächen sind eigentlich überhaupt nicht schön, werden sie doch angelegt, um Rehe und Hirsche anzulocken, damit der Jäger sie vom Hochsitz aus abknallen kann. Doch auf diesem Wildacker wachsen in diesem Jahr weder Mais oder Rüben noch andere Futterpflanzen, sondern er liegt brach und bietet allerlei Pflanzen, die sich vorzugsweise auf Brachflächen breit machen, einen Lebensraum. Zurzeit ist der Wildacker ein einziges Kerzenmeer. Dicht an dicht stehen dort die Königskerzen mit ihren leuchtend gelben Blüten. Die meisten von ihnen sind mindestens zwei Meter hoch.
Obwohl die Königskerze in Europa weit verbreitet ist und auch schon von Hippokrates und Hildegard von Bingen als Heilpflanze beschrieben wurde, erscheint sie ziemlich exotisch, fast wie eine Prärie- oder Wüstenpflanze.

Sind Königskerzen nicht wunderschöne Wildpflanzen?