Sonntag, 15. Juni 2014

Letzte Gelegenheit

Heute gab es bei uns zum ersten und zugleich zum letzten Mal in diesem Jahr Spargel zum Abendessen.
Am 24. Juni, dem Johannistag, endet die Spargelsaison – nicht etwa aus Tradition, sondern weil der Spargel mindestens 100 Tage bis zum ersten Frost braucht, um genügend Kraft für das nächste Jahr zu sammeln. Der Spargel ist bestrebt, in die Höhe zu wachsen und einen grünen Busch zu bilden. Bis zu sieben Mal versucht er das. So kann man von jeder Pflanze bestenfalls sechs Stangen ernten. Die siebte sollte man aber tunlichst nicht abstechen, denn sonst würde man die Pflanze zerstören. Hat die Spargelsaison aufgrund der Wetterlage sehr früh begonnen und konnte ohne Zwangspausen durch anhaltende Trockenheit oder Kälteeinbrüchen kontinuierlich geerntet werden, kann es sein, dass die maximale Erntemenge je Pflanze schon vor dem 24. Juni erreicht ist und die Saison deshalb vorzeitig endet. Genau das ist in diesem Jahr der Fall.
Heute hat der einzige noch aktive Spargelanbauer in unserem Dorf seine Schilder mit der Aufschrift "Frischer Spargel", die Autofahrern  den Weg zu seinem Hof weisen, abgebaut. Zuvor hat er allerdings bei uns geklingelt und mir von seinem letzten Spargel dieses Jahres, den er früh am Morgen gestochen hatte, ein Kilo überreicht. Das war eine gelungene Überraschung, und so kamen wir heute zu einem wunderbaren Abendessen mit leckerem Spargel. Ich habe mich besonders darüber gefreut, denn ich hatte in diesem Jahr noch keine einzige Stange gegessen. Marion hingegen wird jedes Jahr im Mai von ihrem Arbeitgeber zusammen mit ihren Kolleginnen und Kolleken zum kollektiven Spargelessen eingeladen.
Mit dem Spargel bedankte sich der Spargelanbauer dafür, dass wir ihm erlaubt hatten, am Zaun unseres Grundstücks auf der anderen Straßenseite ein Werbeschild für seinen Spargel aufzustellen. Selbstverständlich hätten wir es ihm auch ohne Gegenleistung gestattet.
Natürlich könnten wir auch in der Spargelsaison öfter Spargel bei ihm kaufen. Aber so groß ist unser Verlangen nach Spargel dann doch nicht. Mit Spargel geht es uns wie mit Pilzen: Ein- bis zweimal im Jahr essen wir diese ganz gern, aber dann reicht es auch.
Die Vorbesitzer unseres Hofes betrieben übrigens auch intensiven Spargelanbau. Unsere Pferdeweiden waren viele Jahr Spargelacker. Durch das Tiefpflügen, das erforderlich ist, um die fast knieehohen Spargelbeete anzulegen, ist immer wieder weißer, steriler Sand nach oben gekommen, während sich die dunkle Humusschicht buchstäblich verkrümelt hat. Unsere Weiden sind deshalb so nährstoffarm, dass man sie fast als Magerrasen einstufen könnte.

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