Donnerstag, 17. Juli 2014

Die unbekannte Schönheit

Wer kennt diese Pflanze?
007 unterwegs in geheimer Mission – so komme ich mir vor. Den "Tatort" habe ich seit Jahren im Blick, Rätselhaftes geht da am Straßenrand vor sich, aber zum Spezialeinsatz ist es dann doch nie gekommen. Diesmal bin ich gerüstet, habe die Kamera nicht im Knopfloch, aber in meiner Tasche versteckt, außerdem Plastiktüte und Handschaufel.
Ich habe mir alles genau angesehen, jeden Tag auf der Fahrt zur Arbeit: Parkplatz, Fluchtweg, Entdeckungsgefahr. Heute war dann alles ganz einfach. Blinker nach links, der Parkplatz vor den Häusern dort an der Straße ist schön schattig. Dann mache ich mich auf den kurzen Weg. Ein Hund bellt erbost, ich bin nicht zu stoppen.
Am Wegesrand blüht jedes Jahr ab Ende Juni, Anfang Juli eine mir bislang völlig unbekannte Staude. Aus dem fahrenden Auto hatte ich sie zunächst sogar für eine Malve gehalten, aber damit liege ich komplett falsch. Ich kenne diese Pflanze nicht, habe sie nie zuvor woanders gesehen, aber diese eine Straße säumt sie, zum Teil sogar beidseits, über vier oder gar fünf Kilometer.
Endlich habe ich sie nun von nahem bestaunt: die Köpfchen voller Lippenblüten, deren Farben je nach Pflanze von verwaschenem Flieder bis hin zu Dunkelviolett reichen. Ein süßer Duft geht von ihnen aus, während die Autos auf der Straße nur so vorbeirauschen, werden die Blüten von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Ein schönes Bild. Ich mache gleich ein paar Fotos, suche mir dann eine etwas abseits stehende Staude aus, die ich kurzerhand ausbuddele und mit etwas Erde in der mitgebrachten Plastiktüt verstaue. Die Pflanze hat kräftige Ausläufer, scheint sich eher vegetativ als über Samen zu vermehren.
Der Umpflanzzeitpunkt ist sehr ungünstig gewählt, eine blühende Pflanze bei diesen heißen Temperaturen umzupflanzen, ist ein Wagnis. Aber demnächst wird der Straßenrand wieder gemäht, dann hätte ich keine Chance, die schöne Unbekannte wiederzufinden. Heute Abend habe ich sie an vergleichbarem Standort mit reichlich Wassergaben wieder eingepflanzt.
Das Studium unserer botanischen Fachbücher hat mich heute Abend nicht wirklich weitergebracht. Ganz grob würde ich sie in die "Klee-Ecke" einordnen, zumindest die Blattform passt dazu, auch die Form der Blütenköpfe. Die Blüten als solche und die Höhe der Pflanze (50 bis 60 Zentimeter) dann schon eher nicht mehr. Weißen Steinklee habe ich auch am Straßenrand entdeckt. "Meine" Pflanze ist irgendetwas dazwischen, aber das vermute ich nur, vielleicht ist sie auch eine verwilderte Kulturpflanze.
Wer sie kennt, möge sich bitte melden, 007 ist komplett ratlos!

Kommentare:

  1. Könnte es sich um eine (Bastard) - Luzerne oder (Bastard-)Schneckenklee handeln?

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    1. Vielen, vielen Dank für diesen hilfreichen Hinweis! Ich habe danach (durch Zufall) eine richtige "Luzerne-Wiese" in Schweden, in unserem Urlaub, entdeckt, deren Pflanzen genauso aussahen wie meine unbekannte Schönheit.
      Wie die hier bei uns an diese Stelle gelangt ist, bleibt mir dennoch ein Rätsel, weil sie nur dort und nirgendwo anders wächst und ich auch nichts von einem flächenmäßigen Anbau in der Nähe mitbekommen habe. Wie auch immer, das ausgebuddelte Exemplar hat wegen der Hitze erst gemuckelt, jetzt treibt es munter nach und weil es trockenheitsverträglich ist, möchte ich es jetzt selbst in größerem Stil auf unserer Pferdewiese anbauen.

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