Montag, 25. August 2014

Das Einhorn wird adoptiert

Das Einhorn ist vielleicht keine Schönheit, aber
es hat uns so traurig angeschaut, dass wir gar
nicht anders konnten, als es vor dem Sperr-
mülltod zu retten.
Gefährlich, gefährlich! Sperrmüllsammlung bei uns im Dorf. Massenweise Matratzen haben unsere Nachbarn an den Straßenrand geschleppt. Auch eine hübsche Kommode, aber wir haben jetzt so kurz vor Mitternacht einfach keine Lust mehr, mit dem Pickup durchs Dorf zu kurven, um alte Möbel aufzusammeln.
Mit dem Einhorn ist es schon etwas anderes. "Ich finde es nicht schön, Stofftiere wegzuwerfen und zerschreddern zu lassen", sagt Inka vorsichtig, um nachzuschieben: "Na ja, so schön sieht es nicht aus ..." In der Tat, dass Riesen-Stoffpferd, dass da am Boden niederliegt, ist keine Schönheit, da helfen auch rosa Schweif, Mähne und sogar Fesselbehang nichts. Aber die Augen sind groß und dunkel und starren in die Nacht. Ja, wir kommen wieder, am Ende der Hunderunde. Schließlich hatten wir vor Jahren auch schon ein Schaukel-Sitzpferdchen vor der Sperrmüllsammlung gerettet, obwohl wir niemanden kennen, der so klein ist, um darin zu sitzen und zu schaukeln.
Jetzt hat das Einhorn sicher Kopfschmerzen, dreht bei 40 Grad in der Waschmaschine, passte gerade noch mit Nachschieben in die Trommel. Danach Duftbad mit Vanille.
Das Einhorn ist so gut wie adoptiert. Und der rechtmäßige Besitzer? Der wird sich morgen wundern, weil sein ganzer anderer Kram noch daliegt, nur das Einhorn nicht. Er wird an seiner Geisteskraft zweifeln, sieht er mal wieder Pony Motte auf dem Weg grasen, keine rosa Mähne, aber von Ferne vielleicht wie ein magisches Wesen anzusehen.

Ziemlich eng wurde es für das arme Einhorn in der Waschmaschine. Aber
es hat sogar das Schleudern am Schluss gut überstanden und duftet
jetzt schön nach Vanille-Weichspüler.


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