Montag, 4. August 2014

Nikolaus im August

Nach neun Monaten wieder aufgetauch: Kleid und
Jacke befanden sich allerdings nicht, wie vermutet,
im Gummistiefel.

Der Nikolaus ist bekannt dafür, dass er seine Gaben gern in Stiefeln versteckt. Weniger sagenumwobene Gestalten wie wir finden aber auch, dass Stiefel eine ganze Menge Stauraum haben. Wie praktisch, wenn auf der Urlaubsfahrt im Auto alle erdenklichen "ordentlichen" Plätze schon belegt sind. So ging es uns diesmal und auch auf der Fahrt im vergangenen Jahr, da wussten wir einfach nicht mehr wohin mit den Last-Minute-Mitbringseln des letzten Einkaufsstops auf der Heimfahrt.
Ich hatte an einem Ständer unerwartet ein Baumwollkleid gefunden, das wie angegossen passte und nicht einmal 2,50 Euro kostete - in meiner Größe hatte es offenbar niemand haben wollen - und dann noch eine kleine Leinenjacke, ebenfalls heruntergesetzt für einen Spottpreis. Daran hatte ich nicht vorbeigehen können, obwohl wir eigentlich nur Picknickproviant hatten besorgen wollen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich noch, wie Inka mangels Platz irgendetwas in ihre Gummistiefel hinter dem Rücksitz schiebt, ich selbst stecke andere Dinge auch irgendwohin, aber mich selbst konnte ich schlecht dabei beobachten. Wieder zu Hause vermisse ich sofort das Kleid und die Jacke. "Hast Du schon Deine Gummistiefel ausgeräumt?" frage ich Inka. "Natürlich", sagt sie. "Und wo sind das Kleid und die Jacke?" frage ich. "Keine Ahnung, in den Gummistiefeln waren sie jedenfalls nicht."
Ich lasse nicht locker, durchwühle meine Schubladen, weil die Sachen vielleicht zwischen anderen steckten. Inka durchforstet ihren Schrank. Nichts. Inka mutmaßt, dass wir Kleid und Jacke haben liegen lassen, dass sie aus dem Auto gefallen sind. Ich bleibe stur. "Nein, sie müssen irgendwo sein." Doch sie bleiben verschwunden, so sehr wir auch suchen.
Am Ende haben wir beide recht: Inka, die mir versichert hatte, beides niemals in ihren Stiefeln versenkt zu haben, ich mit meiner Beharrlichkeit, nichts verloren oder liegen gelassen zu haben. Auf die Auflösung des Rätsels haben wir ein Jahr warten müssen, bis zu unserer Urlaubsfahrt in diesem Sommer. "Komisch, die Picknicktasche ist so dick", sagt Inka, die eigentlich nur ein Messer daraus hatte hervorholen wollen. Stattdessen zieht sie zwei zerknüllte Lappen daraus hervor. Ich jubele: "Mein Kleid, die Leinenjacke!!!"
Die Jacke habe ich nicht gebraucht, dafür war es selbst in Schweden zu warm, aber das Kleid hat meine Urlaubsgarderobe, die auch auf Schlechtwetter ausgerichtet war, aufs Wunderbarste ergänzt. Das war ein bisschen wie Nikolaus und Weihnachten zusammen und das im August!

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