Montag, 27. Oktober 2014

Leise rieselt das Laub

Das erste Laub liegt schon zusammengerecht am Boden, aber der Großteil der Blätter hängt noch auf dem Baum.
Etwa zehn solcher 270-Liter-Säcke – größer als eine
Regentonne – werden wohl auch in diesem Herbst wieder
allein von unserer Kastanie zusammenkommen.
So schön unsere große, alte Kastanie auch ist, jetzt im Herbst macht sie uns viel Arbeit. Wir gehören keinesfalls zu den Leuten, die einen tiptop aufgeräumten Garten für erstrebenswert halten und würden das herabfallende Laub eigentlich lieber liegen lassen, damit Igel und andere Tiere im Winter ein kuscheliges Bett haben, doch leider würden wir der Kastanie damit nur schaden. Denn die Puppen der einst vom Balkan zu uns nach Mitteleuropa eingeschleppten Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella), die für die frühzeitige Braunfärbung der Kastanienblätter bereits im Sommer verantwortlich ist, brauchen das Laub zum Überwintern. Um die Mottenlast für den Baum zu verringern, müssen wir daher möglichst sämtliches Laub beseitigen und möglichst weit weg vom Baum kompostieren, und zwar in östlicher Richtung, damit der Westwind das Laub nicht wieder zurück zum Baum bläst. Noch besser wäre es, das Laub zu verbrennen, aber darauf verzichten wir aus Umweltschutzgründen lieber.
Mit dem Laubbesen habe ich die ersten Laubberge schon zusammengeharkt, in einen großen Sack gestopft und weggeschleppt. Erfahrungsgemäß kommen jedes Jahr im Herbst etwa zehn Säcke zusammen – von einem einzigen Baum wohlgemerkt. Ein Sack fasst 270 Liter, zehn Säcke somit 2700 Liter. Erstaunlich, wieviel Grün- oder besser gesagt Braunmasse so ein Baum hat. Und jedes einzelne Blatt nutzt er zur Photosynthese, durch die der für uns Menschen überlebenswichtige Sauerstoff erzeugt wird. Vor diesem Hintergrund bin ich auch ein bisschen stolz auf unsere Kastanie: Ein so großes und effektives Bio-Kraftwerk hat nicht jeder im Garten. Dafür nehme ich die Arbeit des Laubharkens gerne in Kauf.

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