Mittwoch, 28. Januar 2015

Vorgelesen ist fast wie selbst gelesen

Interessantes teilen, das geht nicht nur bei Facebook und Co., sondern auch ganz klassisch zu Hause am Esstisch.
Ganz ohne bewusstes Zutun haben wir ein altes Ritual wiederbelebt: Wir lesen uns gegenseitig etwas vor. Aus unerfindlichen Gründen hatten wir in der Zwischenzeit davon abgelassen und jede für sich vor sich hingebrütet, um dann in die Diskussion einzusteigen.
Jetzt lassen wir uns gegenseitig an den Zwischenschritten teilhaben: Kluge Gedanken, spitzzüngige Kolumnen, nachdenkenswerte Kommentare, weitsichtige Philosophie, politische Analysen, wortgewaltiges Feuilleton –  wir versorgen uns gegenseitig mit dem Extrakt aus dem, was wir selbst als interessant, provokant oder einfach nur schön geschrieben befinden. Ein Satz gibt den nächsten, gemeinsam diskutieren und denken wir – sind nicht immer einer Meinung, bewerten, verwerfen, aber sind in jedem Fall gern bereit, vom anderen zu lernen oder ihn zu verstehen. Unser Küchen- oder Wohnzimmertisch wird gefühlt zum bescheidenen Mittelpunkt jener "Salons", die im vorangegangenen Jahrhunderten die Ideen- und Kreativschmieden einer unerreichten Bohème waren.
Warum es uns in jüngster Zeit so wichtig geworden ist zu lesen, zu denken, zu diskutieren; ich weiß es nicht, aber es macht ungeheuren Spaß. Vielleicht befinden wir uns mitten in der viel beschworenen Midlife-Crisis, zu deren Charakter die Neigung zu Grübeleien gehört. Wie auch immer, effektiv sind unsere Vorlesestunden allemal, weil wir so eine liebevoll zusammengestellte Kurzfassung inmitten der Bücher- und Informationsflut vom jeweils anderen serviert bekommen.
Inka? Wo bist Du denn? Ich habe da gerade noch einen interessanten Absatz im "kleinen Alltags-Buddhist" gefunden, den ich dir gern vorlesen würde ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen