Mittwoch, 11. Februar 2015

Kleine Linse mit großem Potenzial

Die Kleine Wasserlinse, die Teiche gerne mit einem grünen Teppich überzieht, reinigt Wasser und bildet ganz viel Bio-
masse mit einem hohen Stärke- und Proteingehalt, was sie für die Forscher hochinteressant macht.
"Meinst Du, dass wir dann bald so Art Reisfelder vor der Tür haben?" Inkas Frage führt im Augenblick vielleicht doch etwas weit – von der Maisfeldmonotonie zum Riesenteich –, aber gerade hatte ich ihr erzählt, dass in Braunschweig, im heute eröffneten Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) unter anderem neue Kraft- und Schmierstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt werden.
In diesen Gläsern wächst möglicherweise der Kraftstoff der
Zukunft.
Im Fokus hat man im Forschungszentrum – ich war dort als Journalistin zum Presserundgang eingeladen – längst nicht mehr den Mais, sondern die Kleine Wasserlinse (Lemna minor), landläufig auch als Entengrütze bekannt, deren kleine Blättchen Tümpel mit einer grünen Decke überziehen. Das kleine Gewächs hat, so glauben die Wissenschaftler, großes Potenzial: Die Wasserlinse bildet verglichen mit dem Mais viel mehr Biomasse. Dazu kommt, dass sie als Wasserpflanze kein haltbares Gerüst aus Zellulose bilden muss und sich ihre wertvollen Inhaltsstoffe, wie Stärke und Protein, deshalb viel leichter isolieren lassen. Darüber hinaus klärt sie "nebenbei" in ihrem Wachstum gleich noch Abwasser. Viele gute Eigenschaften, die man sich nun zu Nutze machen möchte. Die Grundlagenforschung hat allerdings erst begonnen, von jetzt bis zur ersten Flasche feinsten Wasserlinsen-Schmierstoffes wird noch etwas Zeit vergehen.
Für den menschlichen Verzehr wäre die Wasserlinse übrigens auch interessant, Enten wissen schon, warum die grünen Linsen eine ihrer Leibspeisen sind. Sie enthalten viel Eiweiß und Stärke. Das Eiweiß der Kleinen Wasserlinse ist in der Zusammensetzung seiner Aminosäuren und wegen seines hohen Gehalts an Spurenelementen mit dem der Sojabohne vergleichbar. Deshalb wird die Art auch als Wildgemüse für den Menschen empfohlen (sagt zumindest Wikipedia). Einziger Nachteil: Die hungrige Linse kann leider in sich auch Radon anreichern, ein natürlicherweise vorkommendes radioaktives Element.
Generell finde ich den neuen Ansatz trotzdem interessant, mehr Vielfalt kann nicht schaden. Das gilt bei den nachwachsenden Rohstoffen wie in eigentlich allen Bereichen.

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