Freitag, 6. März 2015

Ein Cottage im Kerzenschein

Lesen bei Lampenlicht – wie komfortabel! Die Autorin 
des "Cottage-Tagebuchs" hatte nur Kerzen zur Ver- 
fügung.
Überraschungsfund in einer Buchhandlung: Zwischen  lauter Gartenbuchtiteln fällt mit Fiona J. Houstons "Cottage-Tagebuch" (Verlag Gerstenberg) erst ins Auge und dann in die Hände. Einen Tag später habe ich mich festgelesen. Eine Frau mit Leidenschaft für Archäologie und verfallene Bauernhäuser in den schottischen Highlands lässt sich auf ein persönliches Abenteuer ein, dreht die Zeit mehr als 200 Jahre zurück und erlebt ein Jahr Landleben wie 1792 in einem einfachen Cottage.
Ein paar Zugeständnisse gibt es: Ein dringend benötigter zusätzlicher Eimer fürs Schmutzwasser ist "nur" 80 Jahre alt. Die Hundehaltung war, das hat sie aus alten Quellen erfahren, durchaus verbreitet, der Hundespaziergang eher nicht, den absolviert sie in Jeans und Regenjacke. Ansonsten aber hat sie sich zeitgemäß gekleidet, braucht morgens lange, bis diverse Unter- und Überröcke, Schürzen und Haube angezogen sind.
Gerstenfladen und Haferbrei ersetzen Müsli und Frühstücksbrötchen, sie kocht Brennnesselsuppe  und macht Käse, hackt Holz und schleppt frisches Wasser im Eimer heran, sie ärgert sich über durchnässte Rockschöße und isst Pastinaken aus dem eigenen Garten, hört Eule und Brachvogel rufen.
Tagebuchnotizen werden ergänzt von der Nähanleitung fürs Unterhemd aus Leinen und Rezepte aus dem 18. Jahrhundert (zugegeben, Kaninchen wäre bei uns gleich vom Speiseplan gestrichen, ebenso wie Milch oder Butter). Wie Gallus-Tinte angerührt wird, können wir ebenso lernen, wie den Garten im Jahresverlauf zu bewirtschaften.
Ein Buch, das lehrreich ist und gleichzeitig Spaß macht. Der Spruch "früher war alles besser" wird nicht in seiner Sinnhaftigkeit bestätigt, aber die Erkenntnis "früher war alles echter", die wird hier mit Leben gefüllt.

Kommentare:

  1. Ich mag den Ausdruck "früher" nicht. Wann ist das? Schon ältere Menschen reden oft von früher und meinen ihre Kindheit. Was hätte die Frau in Fiona Houstons Buch wohl von der Zeit um 1500 gehalten usw.?
    Ich finde, wir sollten Altes und Neues sinnvoll in Einklang bringen und immer selbstkritisch sein.
    Im Übrigen, Marion, hat mich Deine kleine Buchbeschreibung neugierig gemacht, genauer zu erfahren, wie das Frauenleben früher!! ausgesehen hat. Werde es mir besorgen und mich vielleicht auch festlesen.
    Liebe Grüße, auch an Inka
    Felicitas

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    1. Altes und Neues zu verbinden und nicht gleich abzulehnen, weil es eben alt oder neu ist, finde ich auch sehr sinnvoll.
      Ich finde das Wort "früher" wunderbar, es ist natürlich unbestimmt, wann ist früher? Ich denke irgendwann in der Zeit vor dem eigenen Erleben, das kann nur ein paar Jahre her sein oder auch ein Jahrhundert oder mehr, aber der Zeithorizont ergibt sich ja meistens aus dem Zusammenhang. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum sich dieser Spruch bis in unsere Zeit erhalten hat.
      Und ansonsten: viel Spaß beim Lesen!

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