Montag, 9. Mai 2016

Grazil und unbeschreiblich weiblich

Wie ein Mädchen mit wehenden Haaren, das sein Gesicht in den Wind hält ...
Es heißt zwar der Ahorn, aber die Buche, die Eiche, die Birke, die Linde usw. ... Warum sind die meisten Bäume, zumindest in unser Sprache, weiblichen Geschlechts? Wir wissen es nicht. Die Eiche könnte eigentlich auch gut männlich sein. Ihr würden wir eher maskuline Attribute zuordnen wie Stärke und Robustheit oder Standhaftigkeit und Bodenständigkeit. Bei der Birke hingegen gibt es für uns keinen Zweifel. Sie ist selbstverständlich weiblich. Uns fällt keine andere heimische Baumart ein, die so grazil und so elegant wirkt. Wir lieben diese Baumart, die bei uns in der Heide einst nahezu sämtliche Landstraßen säumte. Bei den heftigen Böen heute wurde das feminine Wesen der Birke besonders deutlich. "Sehen sie nicht aus wie Mädchen, deren Haare im Wind wehen?" fragte Marion, und ich hatte tatsächlich in dem Moment dasselbe Bild vor Augen. Es drängte sich doch auch geradezu auf.
Dann sah ich noch eine andere Birke am Straßenrand, die mit ihren verschlungenen Ästen ein wenig so aussah, als würde sie gerade tanzen, und auch das wirkte unbeschreiblich weiblich. Kein Winder, dass die Birke in früheren Zeiten ein Symbol der Fruchtbarkeit war. Im germanischen und slawischen Volksglauben war sie der Göttin Freya geweiht, die als nordische Pendant zur römischen Göttin Venus galt und für die Liebe und die Ehe zuständig war.

Grazil und anmutig wie eine Tänzerin mit emporgereckten, verschlungenen Armen.

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