Montag, 16. Mai 2016

Im Hagelschauer über den Baumwipfeln

Von Westen her zieht der Hagelschauer heran. Der Turm im Hintergrund ist der Sender Danneberg am Ortsrand von Zernien.
Au weia, denke ich, das sieht nicht gut aus! Von Westen her zieht ziemlich schnell eine Regenfront heran. Der Himmel verdüstert sich im Nu, und eine heftige Windböe fegt über mich hinweg ...
Von wegen Regen! Es hagelt! Und wie! Jetzt aber schnell hinunter. Denn hier oben wird es langsam ungemütlich, und ehrlich gesagt ist mir auch schon ganz mulmig zumute. So ungeschützt den grollenden Eisheiligen ausgesetzt zu sein, ist kein Spaß mehr. Vor allem nicht, wenn man wie ich gerade auf einem 30 Meter hohen, offenen Holzturm steht, der sich auf einem Berggipfel befindet.
Jawohl, für unsere norddeutschen Verhältnisse ist der Hohe Mechtin mit 142 Metern schon ein richtiger Berg. Es gibt zwar noch ein paar etwas höhere Erhebungen in der norddeutschen Tiefebene, aber nur die wenigsten sind mit einem so hohen Aussichtsturm ausgestattet, von dem sich eine so atemberaubende 360 Grad-Aussicht bietet.
142 Meter hoch ist der Hohe
Mechtin.

Der 30 Meter hohe Aus-
sichtsturm auf dem Berggipfel.
Zwar ist der Weitblick bei dem wechselhaften Wetter heute etwas eingeschränkt, aber dafür umso dramatischer – und wir haben den Turm ganz für uns allein. Nur zwei Einträge weist das in der Schutzhütte ausliegende Gipfelbuch für diesen Pfingstsonntag aus, und ich füge – froh, endlich wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben und im Trockenen zu stehen – jetzt den dritten Eintrag des Tages hinzu. Mehr dürften es heute auch kaum werden, denn es ist schon kurz vor 16 Uhr, und nach dem heftigen Hagelschauer scheint es sich jetzt einzuregnen. Ich ziehe den Regenschutz über den Wanderrucksack, und nach Tee und veganen Keksen in der Schutzhütte machen wir uns an den Abstieg. Nur noch sieben Kilometer bis zum Auto. Die Karte kann im Rucksack bleiben, denn jetzt weisen uns Wanderzeichen den Weg. Wir befinden uns nämlich auf dem Europäischen Fernwanderweg E6, der von Finnland bis in die Türkei führt.
Blick vom Aussichtsturm herab auf das Gipfelplateau mit der Schutzhütte.


Auf dem Hinweg sind wir, von Süden kommend, in einem großen Bogen um den Berg herum gegangen, um den Berg auf der Nordseite zu erklimmen. Die Nordwand ist bekanntlich für Bergsteiger meistens die größte Herausforderung, und nicht zuletzt deshalb hat sich eine große amerikanische Outdoor-Marke danach benannt. Von einer Wand kann bei so einem winzigen Berg natürlich nicht die Rede sein, aber der Aufstieg erfordert durchaus ein Mindestmaß an Kondition. Auf jeden Fall. Als wir nach 10,3 Kilometern auf dem Gipfel stehen, sind wir uns einig: Der Bogen um den berg herum hat sich gelohnt. Der Aufstieg auf der Nordseite führt durch wunderschönen Buchenwald, und der Weg ist von Steintürmchen gesäumt, die andere Wanderer aufgeschichtet haben.
Beim Aufstieg auf den Hohen Mechtin schien noch die Sonne durch das hellgrüne Blätterdach der Buchen.
Steintürmchen am Wegesrand.
Während wir auf dem Rückweg die meiste Zeit im Regen gehen, hatten wir auf dem Hinweg Glück mit dem Wetter – eine Zeitlang wanderten wir sogar unter blauem Himmel.
Die 17,3 Kilometer lange Wamdertour können wir ohne Einschränkungen empfehlen. Der Drawehn ist ein herrliches, abwechslungseiches und landschaftlich reizvolles Wandergebiet, das nur 50 Kilometer von uns entfernt ist, sodass wir es immer wieder gerne zum Ausflugsziel machen.

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