Donnerstag, 8. September 2016

Der Elefant im Spinnenreich

Da hat die Spinne fette Beute gemacht. Beina-
he hätte ich aus Versehen ihr Netz zerrissen.
Wir haben keine Ahnung von der Welt, von unserer nicht und von der, die viel kleiner sind als wir erst recht nicht. Ich hatte den Blumentopf mit der großen Geranie schon in der Hand, ein, zwei Zentimeter vom Boden abgehoben, da sah ich, mit welchem feinen Faden dieser Topf verbunden war: Eine ungewöhnlich helle Kreuzspinne hatte daran im unteren Teil ihr – mittlerweile arg zerfetztes Netz – befestigt. Hätte ich den Topf nur noch ein paar Millimeter weiter angelupft, wäre es unweigerlich zerfetzt. Schade um die Beute, die leblos in den Fäden verstrickt war und über die sich die Spinne gerade hermachte. Ob als Nahrungsvorrat für sich selbst oder für ihre Nachkommen, das weiß ich nicht, jedenfalls spann sie sie zu kleinen Paketen ein.
Vorsichtig stellte ich die Geranie wieder an ihren ursprünglichen Platz, der Umzug in einen schönen Übertopf, der gerade freigeworden ist, kann warten oder ganz ausfallen, das Leben der Kreuzspinne geht vor.
Es ist nicht so wirklich schön zu sehen, wie sie die armen Fliegetierchen fängt, aber anders als wir hat sie keine Wahl, sie kennt nur diese eine Art zu jagen und zu überleben, deshalb darf ich sie weiter bestaunen, ohne Urteil, ohne schlechtes Gewissen, ja, ich bin geradezu froh, dass sie meine Geranie als Ankerpunkt für ihr zartes Spinnengebilde gewählt hat. Und dass ich gerade noch rechtzeitig ihre kleine Welt bemerkt habe.

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