Sonntag, 11. September 2016

Umdrehen gilt nicht

Barfuß durch den Bach - eine schöne Erfrischung
an so einem heißen Spätsommertag.
Wer, wie wir, meistens zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß, dass bei diesen Fortbewegungsarten der Weg das Ziel ist. Es geht nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Für eine landschaftlich reizvollere Strecke nehmen wir auch gerne einen Umweg in Kauf. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass wir, ohne vorher auf die Karte geguckt zu haben, spontan einem besonders schönen Weg wählen, der von der Richtung ungefähr passt. Wir gehen oder fahren einige Kilometer – und dann hört der Weg plötzlich auf – und wir stehen dumm da. Genau das ist uns auch heute wieder passiert.
Wir waren mit Fahrrädern unterwegs und standen vor der Entscheidung: Geradeaus weiter auf der Landstraße oder lieber links in den unbekannten, asphaltierten Wirtschaftsweg abbiegen, der schöne Ausblicke über grüne Wiesen auf einen parallel zum Weg verlaufenden, von Schwarzerlen gesäumten Bach versprach. "Straße oder Weg?", fragte ich. "Los, wir versuchen es mit schönen Weg", sagte Marion.
Wir wurden nicht enttäuscht. Der Weg war wirklich wunderschön und wir ärgerten uns ein wenig, dass wir nun schon so lange in der Gegend wohnten, diesen Weg aber bisher noch nicht für uns entdeckt hatten. Nach etwa einem Kilometer endete der asphaltierte Wirtschaftsweg und ging in einen sandigen, aber befahrbaren Feldweg über. Wir fuhren weiter, sahen, wie sich eine Kranichfamilie die Füße im Bach kühlte, und genossen die nur von den Rufen der Kraniche unterbrochene Stille. Ja, und dann war plötzlich auch der Feldweg zu Ende, und wir standen auf einer Wiese und wussten nicht mehr weiter. Ich holte endlich die Karte aus dem Rucksack, um etwas frustriert festzustellen: "Geradeaus geht's nicht weiter. Hinter der Wiese ist Moor eingezeichnet. Da kommen wir nicht durch." Außer dem Weg, auf dem wir gekommen waren, gab es keinen anderen in der Nähe. Also den gleichen Weg wieder zurück? "Nein, umdrehen gilt nicht", sagte Marion. "Siehst du die alte Fahrspur da am Rand der Wiese? Die nehmen wir." "Gut, wir versuchen es einfach."
Wir hoppelten der Fahrspur folgend über die Wiese und gelangten so auf eine weitere Wiese. An deren Ende standen die Schwarzerlen, die das Bachufer markierten. "Vielleicht finden wir eine kleine Brücke oder einen Steg über den Bach", sagte ich und hielt Ausschau. Wir fanden nichts dergleichen, stellten aber fest, dass der Bach jetzt im Spätsommer nur wenig Wasser führt, und zogen uns kurzerhand die Schuhe aus und wateten mit den Rädern durch den Bach. Wider Erwarten war das nicht unangenehm, sondern eine schöne kleine Erfrischung. Der Wasser war glasklar und der Grund war nicht schlammig, sondern bestand aus festem und sauberem Kies. Nachdem wir die Fahrräder ans andere Ufer gebracht hatten, stellten wir sie ab und hüpften noch einmal in den Bach und gingen im Wasser ein paar Schritte auf und ab.
Nachdem wir wieder die Schuhe angezogen hatten, mussten wir die Fahrräder durch dichtes Unterholz schieben, was etwas mühsam war, aber plötzlich stand wir auf einem Waldweg und konnten wieder in die Pedale treten. Der Waldweg mündete in einen asphaltierten Wirtschaftsweg, den wir von früheren Touren kannten, und der uns genau dorthin führte, wo wir hinwollten.
Nach diesem kleinen Abenteuer waren wir uns einig: Das war ein Umweg, der sich gelohnt hat. Und auch für die nächste Tour abseits bekannter Wege wird die Parole wieder "umdrehen gilt nicht" lauten.

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