Donnerstag, 8. Dezember 2016

Lauter Wichtel im Wald

Hat sich dort eine Fee zwischen altem Laub und trockenem Geäst versteckt? Oder ist es ein Wichtel, der da am Waldboden hockt? Auch Assoziationen mit Zuckerwatte oder einem Weihnachtsmannrauschebart kommen einem in den Sinn, geht man an frostigen Tagen durch den Wald und sieht zentimeterlanges "Haar" aus heruntergefallenen Ästen wachsen.
Es gibt Pilze, die ähnlich aussehen, doch das "Feenhaar" hat eine andere Entstehungsgeschichte: Zunächst muss es viel regnen, damit sich das vormals trockene Holz bis zur Sättigungsgrenze vollsaugen kann, danach müssen die Temperaturen fallen, aber bitte schön langsam. Dann passiert es nämlich, dass das aus dem Holz an der Oberfläche austretende Wasser gefriert, von unten drückt weiteres Wasser empor, das ebenfalls gefriert, und so werden die "Haare" aus feinsten Eiskristallen lang und länger.

Schnee? Nein, der Schein trügt.
Ihre feine, zarte Struktur verdanken sie den winzigen Poren im Holz, aus denen das Eis förmlich herauswächst, so wie Zahnpasta aus einer Tube kommt – als langer Strang. Fällt die Temperatur schnell und tief, dann wird es nichts mit dem Zauber, weil der Ast sofort durchfriert und somit kein Wassertransport mehr stattfindet.
Aber die Vorstellung, dass im Wald lauter Wichteln und Feen wohnen, deren Haar hier und dort hervorlugt, die hat etwas Märchenhaftes. Genau richtig für romantische Spaziergänger ...
Der Polarforscher Alfred Wegener soll übrigens einer der ersten gewesen sein, der das Phänomen der Eiswolle beschrieben hat, auch ihm war es bei einem Spaziergang ins Auge gefallen.

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