Mittwoch, 18. Januar 2017

Als Kyrell kam

Es blieb nicht bei ein paar abgerissenen Ästen: 
Sturm Kyrell hatte vor zehn Jahren im Wald breite 
Schneisen, auf denen kein einziger Baum mehr stand, 
hinterlassen. Heute sind die Jungbäume darauf schon
 wieder meterhoch.
Auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass Sturm Kyrell über uns hinwegfegte. Wir sind uns einig: So etwas wie am 18. Januar 2007  haben wir noch nie erlebt.
Mich erwischte der Sturm im Auto auf dem Heimweg, das Radio war nicht mehr zu hören, so laut brauste und toste es um mich herum. Auf den letzten Metern durch den Wald fielen vor und hinter mir junge Kiefern auf die Straße. Irgendwie bin ich heil durch dieses Astegwirr gekommen. Zu Hause war es nicht besser: Eine Schubkarre wurde meterweit durch die Luft geschleudert, mit einem Krachen legte der Sturm eine große Kiefer um, Ziegel flogen vom Dach, zerkrachten am Boden. Wir überlegten ernsthaft, die Pferde von ihrem Auslauf in die Diele des Hauses zu holen. Aber die hatten sich zusammengestellt, ihre Hinterteile gegen den Wind gedreht und machten trotz des Chaos' um sie herum keine Anstalten, sich auch nur einen Meter vom Fleck zu bewegen.
Also abwarten, hoffen, dass kein großer Baum aufs Haus stürzt und wir alle heil diese sturmumtoste Nacht überstehen.
Am nächsten Tag sahen wir, dass wir noch vergleichsweise gut davongekommen waren. Es war bei den paar vom Dach gefegten Ziegeln geblieben, die Dächer einiger Häuser ein paar Meter weiter waren dagegen zu großen Teilen abgedeckt worden, durch den Wald weiter östlich des Ortes hatte der Sturm eine Schneise gemäht.
Die Niedersächsischen Landesforsten schrieben von 4000 Hektar schwer geschädigten Waldes, besonders schlimm waren die Höhenzüge Solling und Harz betroffen. 2000 Hektar sind seither aufgeforstet worden, und dies habe sich sogar als Chance erwiesen: Statt Nadelwaldmonokulturen entstanden auf diesen Flächen Nadelmischwald und Laubwald. Mehr Baumarten sollen Wald stabiler machen und für den nächsten großen Sturm, der hoffentlich nicht so bald kommt, wappnen.

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