Montag, 28. März 2016

Wohnungsnot gibt es auch auf dem Land

Einer der Turmfalken bewacht schon einmal den Eingang der neuen Woh-
nung, während sich die anderen drei noch in der Luft attackieren.
In der Nachbarscheune gibt es eine Wohnung, die ist heiß begehrt. Dabei hat sie nicht einmal einen Balkon, aber ein hübsches kleines Fenster nach Süden hinaus. Gut, die Metallverkleidung rundherum ist nicht so ganz unser Geschmack, aber wer möchte schon ungebetene Gäste wie Marder in der Kinderstube haben?!
Kinderstube? Marder? Bei der Wohnung, von der hier die Rede ist, handelt es sich um einen großen Nistkasten, innenliegend angebracht eigentlich speziell für Eulen. Tatsächlich brüteten dort über Jahre immer wieder Schleiereulen. Kurz bevor die kleinen Eulen flügge wurden, kam ein Ornithologenteam zum Beringen. Und jedes Jahr gab es Streit um diesen schönen, sicheren Nistplatz, in den gern auch ein Turmfalkenpärchen eingezogen wäre. Meistens gewannen die Eulen den Kampf, aber ein, zwei Mal behielten die Falken die Oberhand und zogen darin ihre Jungen groß.
Schleiereulen brüten dort nun seit Jahren nicht mehr, nach einem langen, sehr schneereichen Winter waren sie verschwunden. Und die Falken merkwürdigerweise mit ihnen. Der Nistkasten blieb mehrere Sommer verwaist. Bis im vergangenen Jahr plötzlich wieder Falken auftauchten, ihn ausgiebig inspizierten. Wir frohlockten wegen der schönen neuen Nachbarn, hatten uns aber zu früh gefreut. Nach der ersten Hausbesichtigung waren die Falken fort- und nicht eingezogen. Der Kasten blieb leer.
Immer wenn die Attacken des zweiten Falkenpaares in der 
Luft zu heftig werden, eilt der Falke, der die Wohnung be-
wacht, dem Partner zur Hilfe.
In diesem Frühjahr gibt es jedoch allen Grund zur Hoffnung, seit Tagen umkreist ein Falkenpärchen die Höhle, ihre Rufe sind weithin zu hören. Immer wieder schlüpfen sie hinein- und hinaus. Das sieht gut aus. Doch heute war das Paar in Alarmbereitschaft. Warnlaute, Falken, die aufgeregt durch die Luft schossen. Nicht zwei Tiere, sondern vier. Ein zweites Paar war aufgetaucht, und es entbrannte ein heftiger lautstarker Streit, der sich erst mit dem schwindenden Licht der Dämmerung beruhigte.
Welches Pärchen gewonnen hat? Wir wissen es nicht, auch nicht, ob die Auseinandersetzung morgen weitergeht. Fest steht: Wir würden uns über die neuen Nachbarn freuen. Und vielleicht finden im nächsten Jahr sogar wieder Schleiereulen den Weg hierher.



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