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Montag, 19. Dezember 2016

Winterlicher Genuss – vegan und regional

Kochen und Backen haben naturgemäß viel mit Mathematik zu tun, allein schon wegen der vielen Mengenangaben. Aber noch ein mathematisches Phänomen scheint sich damit zu verbinden: Auch wenn die Reihe der Kochbücher im Regal lang und länger wird, heißt das längst noch nicht, dass wir die Rezepte daraus auch tatsächlich in unser Kochrepertoire aufnehmen. In diesem Zusammenhang von umgekehrt proportional zu sprechen, – also je mehr Vielfalt im Bücherregal, je mehr Einfalt im Topf –, wäre dann doch übertrieben, aber bei vielen Rezepten bleibt es bei einem alles oder mehr noch nichts verheißenden »Man-Könnte-ja-mal« ...
Das ist jedenfalls meine Erfahrung mit Kochbüchern, aber es gibt zum Glück Ausnahmen. Miriam Emmes und Daniela Friedls »Regionale Winterküche – soja- und weizenfrei, vegan« ist eine solche Ausnahme. Apfel, Schwarzwurzel, Wirsing und selbst Wacholderbeere – allesamt auch jetzt im Winter aus regionalem Anbau oder sogar noch aus dem eigenen Garten verfügbar – werden ohne großen Schnickschnack zu gleichermaßen Augen und Gaumen ansprechenden und trotzdem alltagstauglichen Gerichten verarbeitet. 
Der "Vorteig" für das Apfelbrot muss über
Nacht ruhen.
Das würzig-süße Apfelbrot mit Dinkelmehl, geriebenen Äpfeln, Nüssen und Trockenobst haben wir in zwei Tagen gleich zwei Mal gebacken. Das will etwas heißen. So lecker und unkompliziert verheißen auch all die anderen Rezepte zu sein, angefangen beim warmen Pilzsalat bis hin zum Birnen-Zwiebel-Schmalz mit Zwischenstationen bei Rosenkohl und Maroni oder Flammkuchen mit Rotkohl.
Der Satz »Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah« findet hier seine kulinarische Bestätigung. Immer mehr Menschen möchten nicht zuletzt aus ökologischen Gründen regional und  saisonal essen, können aber mit den dazugehörigen traditionellen Rezepten nicht mehr viel anfangen, dieses Kochbuch aber hat das Zeug dazu, neue Klassiker zu schaffen, die geänderten Ernährungsgewohnheiten wie selbstverständlich Rechnung tragen.
Hier die Daten zum Buch:
Miriam Emme und Daniela Friedl, »Regionale Winterküche – soja- und weizenfrei, vegan«, 160 Seiten, 88 Farbfotos, gebunden, Verlag Eugen Ulmer,  19,90 Euro, ISBN 978-3-8001-0841-1. 

Besonders lecker schmeckt das nach dem Rezept aus dem Buch "Winterküche" gebackene Apfelbrot zum Sonntagnachmittagskaffee – statt Kuchen.

Montag, 21. März 2016

Reiche Ernte aus dem Großstadtdschungel

Brachflächen, Balkone, Hinterhöfe: Burkhard Bohne ist ein Fan der neuen Gemeinschaftsgärten und hat darüber jetzt 
ein Buch geschrieben. Foto: Kerstin Mumm
Berlin und Braunschweig – zwei Städte, die sonst nicht viel gemeinsam haben, außer vielleicht dem „B“ am Anfang. Berlin ist nicht nur Deutschlands Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch noch die bevölkerungsreichste und von der Fläche her größte Gemeinde der Republik. Und noch etwas: Berlin ist die Keimzelle einer städtischen Gartenbewegung, die vor tristen Hinterhöfen nicht haltmacht und auch nicht vor fremder Leute Grundstücke. Gärtnermeister Burkhard Bohne, den wir auch schon einmal für eines unserer Gartenprojekte gewinnen konnten,  hat sich von Braunschweig aufgemacht in den Großstadtdschungel, hat Seminare gegeben, sich selbst inspirieren lassen. Die Früchte (nicht nur) seiner Hauptstadtbesuche gibt es jetzt ganz neu in Buchform: „Garden your City“, erschienen bei Kosmos.
Das neue Buch von Burkhard
Bohne.
Die Begegnung mit „Gartenaktivisten, die nicht viel wissen, aber unendlich neugierig sind“, waren eine belebende Erfahrung. Die Idee, die daraus gewachsen ist, bringt Kräuterworkshops, wie sie der Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig seit Jahren gibt, mit dem Gedanken des „Urban Gardening“ zusammen. „Gerade mit Kräutern kann jeder auf kleinstem Raum einen wesentlichen Beitrag zur Eigenversorgung leisten“, sagt Bohne. Gärtnerisches Basiswissen über Boden, Mischkulturen und Pflanzenauswahl hat er in seinem neuen Ratgeber verbunden mit Anregungen für Recyclingprojekte, Kübelgärten bis hin zur Vorstellung sozialer Gemeinschaftsgärten. Die Betonung liegt auf „Ratgeber“. Lifestylebücher, die den Trend des „Urban Gardening“ besingen, aber außer ein paar hübschen Fotos wenig Substanz haben, gibt es ohnehin genug.
Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg sind vielleicht das berühmteste Beispiel für eine ungewöhnliche, mitunter unerlaubte Landnahme. Auf der Brachfläche, die dem Land Berlin gehört, werden in Kästen und Containern – Hauptsache beweglich – Biogemüse, Obst und Kräuter gezogen. Der Pachtvertrag wird jeweils nur für ein Jahr verlängert, hier entstehen keine Gartenanlagen für die nächsten Jahrhunderte. Die Nutzung der Brachflächen ist ein organischer Prozess.
Es geht nicht nur um Gemüse, sondern um Gemeinschaft. „Der Gedanke dahinter ist, jeder kann teilhaben und mitmachen. Das kann Nachteile haben, hat vor allem aber viele Vorteile“, sagt Bohne. Diese Experimentierfelder öffnen in seinen Augen das Gärtnern für die nächste Generation. Sie überwinden Alters- und kulturelle Grenzen. „Ist das der Anfang einer neuen Gartenkultur? Ich wusste es anfangs nicht, aber es könnte sein“, meint Bohne. Diese andere Form der Gartenkultur hat etwas Zukunftsweisendes, indem sie Aspekte der Ressourcenschonung (Transportwege, Recycling) mit denen der gesunden Ernährung, der gesellschaftlichen Teilhabe, der Stadtentwicklung, der sozialen Gemeinschaft und des Umweltschutzes zusammenführt.
Bohnes Heimatstadt Braunschweig ist nicht Berlin und eher Entwicklungsland, was gärtnerischen „Wildwuchs“ auf öffentlichen Flächen oder gerade nicht genutzten Grundstücken angeht. Aber neben Fotos aus Kreuzberg zeigen andere den Bebelhof in Braunschweig. Projekte wie der Stadt(Statt-)Garten weisen den Weg, wohin die Entwicklung gehen könnte. Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären, kümmern sich hier um die Pflanzkisten. Die Volkshochschule managt den Gemeinschaftsgarten, sodass viele Unwägbarkeiten von der professionellen Unterstützung bis hin zur finanziellen Ausstattung gleich von vornherein wegfallen. Auch das habe seine Vorteile, sagt Bohne.
Mehr Mut zu mehr Grün in der Stadt, den wünscht er sich oder mit anderen Worten: „Garden your City“.
Burkhard Bohne, Kerstin Mumm (Fotos), „Garden your City“, Verlag Kosmos, 176 Seiten, 334 Farbfotos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-440-14971-3, 20 Euro.


Mittwoch, 25. November 2015

Glücksgriff

Anstatt im neuen Glücksatlas lese ich lieber in diesem
"Glücksbuch".
Heute ist der Glücksatlas 2015 vorgestellt worden, aber davon wusste ich zunächst nichts. Es war Zufall, dass mir am Nachmittag das Büchlein "Jeder Tag ein Weg zum Glück" aus meinem reichen Fundus in die Hände gefallen war, und ich darin blätterte. Der kleine Band versammelt Gedanken und Lebensweisheiten des deutschen Benediktinerpaters Anselm Grün. Für ihn bedeutet Glück auch die Nähe zu Gott, aber nicht nur. Es geht um den Einklang mit sich selbst, den Ort der Ruhe und Kraft in sich zu suchen und vor allem zu finden. Ruhe statt Gehetze, Aufmerksamkeit statt Abgestumpftheit, Neugier statt Überdruss.
"Viele warten auf das große Glück. Sie sind enttäuscht, dass es nicht kommt. Bei ihrer Suche nach dem großen Glück übersehen sie die kleinen Freuden, die auf dem Weg ihres Lebens bereit liegen", schreibt Anselm Grün. Daran sollte man sich öfter einmal erinnern, wenn einen der Alltagsärger gerade wieder überwältigen will und und den Blick auf den perfekten Augenblick trübt.
In der Glücksstudie schneidet Niedersachsen (der Norden) gar nicht so schlecht ab im bundesdeutschen Vergleich, liegt auf Platz drei hinter Baden und Sieger Schleswig-Holstein. An die Küste müsste man also ziehen, um dem großen Glück näher zu kommen – oder noch ein bisschen bei Anselm Grün nachlesen, denn das Glück, so sagt er, liegt in uns. Wir müssen es nicht suchen, es ist schon da.

Freitag, 29. Mai 2015

Parabel über das Leben

Buchtipp: "Im Herzen des Tals" von Nigel Hinton.
Graubraun ist sie, unscheinbar, aber voller Leben. Nigel Hinton hat sich einen sehr kleine Hauptfigur für sein Buch "Im Herzen des Tals" gewählt – eine Heckenbraunelle. Ihre Geschichte ist hinreißend erzählt, mit ihr lernen wir fliegen, mit ihr suchen wir nach den dicksten Insekten, mit ihr bangen wir im Wintersturm, ob wir den nächsten Tag erleben.
Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so poetisch erzählt ist und gleichzeitig so grausam ist. Alles Schreckliche, das einem kleinen Vogel zustoßen kann, wird ihr passieren. Vor grandioser Kulisse walten die Gesetze der Natur voller Unbarmherzigkeit. Aber es gibt keine Schuldigen, das Buch erzählt vom Leben, vom Versuch, sich gegen alle Gewalten zu stemmen, Nahrung zu finden, Nachkommen aufzuziehen. Die Schicksale der Menschen laufen parallel zu denen der Tiere ab, Momentaufnahmen, in denen sie sich sehen, ja begegnen. Auch das geht nicht unbedingt gut aus.
Ein Buch, das be- und entzaubert. Wenn wir es gelesen haben, wird kein Vogelgezwitscher einfach nur noch "schön" sein, wir werden die Welt aus den Augen eines kleinen Vogels sehen und wir werden mehr denn je begreifen, wie gleichzeitig stark und zerbrechlich das Leben ist.

Donnerstag, 16. April 2015

"Schutzengel sind in unserer modernen Welt doch wohl fehl am Platze"

Altmodisch und modern zugleich: "Pinnegars Garten" von
Reginald Arkell.
"Die vormalige Eigentümerin hatte den Wunsch geäußert, dass Sie hier als eine Art - äh - Schutzengel fungieren, solange Ihre Gesundheit und Kräfte es zulassen, aber 'Schutzengel' sind in unserer Welt modernen Welt doch wohl fehl am Platze ..." Mit diesen dürren Worten soll Herbert Pinnegar, einst Obergärtner, mal eben nach 60 Jahren abserviert und ihm ein neuer Chef vor die Nase gesetzt werden. Das könnte ein Satz aus unserer Zeit sein, dabei führt uns die Geschichte von "Pinnegars Garten" von Reginald Arkell in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ja eigentlich in die der damaligen Jahrhundertwende zurück, als in England (und nicht nur dort) Obergärtner und ganze Herrscharen von Bediensteten wunderbare Obst-, Gemüse und Blumengärten umsorgten. Das ist auf einmal viel zu teuer, nicht mehr zeitgemäß, und Pinnegar, dieser störrische Mann, passt dem jungen Verwalter  nicht mehr ins Konzept.
Zum Glück wendet sich alles zum Guten, weil es da doch noch Menschen mit Anstand gibt, die eine Achtung vor Gärten und den "Zauberern" haben, die mit Erfahrung und Schweiß dieses menschengemachte Wunderwerk am Gedeihen erhalten.
Eine wunderbare Geschichte über eigensinnige und leidenschaftliche Menschen, über Klassengrenzen, die die gegenseitige Achtung von Menschen auf der einen und anderen Seite nicht ausschließt, und über die zerbrechliche Welt der Gärtner, die ihr Reich von eben auf jetzt an die Natur oder bauwütige Gleichgültigkeit verlieren können.
"Pinnegars Garten" Unionsverlag, ist altmodisch und modern zugleich. Und wenn wir nach der Lektüre die erste Erdbeere des Jahres essen und die erste Königskerze blühen sehen werden, erinnern wir uns an "alte Zeiten", die wir nie erlebt haben, und dürfen uns trösten, warum ohne Obergärtner in unseren Gärten nicht alles perfekt sein kann.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Hochspannung - ohne Strom

"Blackout" - Hochspannung beim Lesen.

Ich gehe noch einmal kurz nach draußen, um mich zu vergewissern: Ja, alles in Ordnung, von Ferne sehe ich Licht im Fenster des Nachbarhauses. Kein Stromausfall, kein »Blackout«. Die Räder unserer Zivilisation drehen sich, ohne Strom ist nicht nur Stillstand, sondern droht der komplette Zusammenbruch. Wie der aussehen könnte, das lese ich gerade in Marc Elsbergs Buch »Blackout«. Fiktion, gewiss, aber eine mit beklemmender Wirklichkeitsnähe. Hochspannung ohne Strom, in Buchform sozusagen.
Zeitgleich beginnt das Unheil im Süden Europas, in Italien, und im Norden, ausgerechnet in Schweden. Eine jufremde Macht nutzt die dort schon fast flächendeckend eingesetzten digitalen Stromzähler, um eine Fehlinformation einzuschleusen. Eine Kettenreaktion nimmt ihren Lauf und schließlich senken sich Dunkelheit und Chaos über ganz Europa. Schon fange ich selbst an, darüber nachzugrübeln, was denn wäre, wenn ...

Praktisch: Unsere Petroleumlampe spendet sowohl Licht als auch Wärme.

Wir in unserem kleinen Häuschen würden von einem Stromausfall zunächst gar nichts mitbekommen, wir haben nämlich gar keinen Strom, jedenfalls keinen, der »aus der Wand« kommt. Das kleine Solarpaneel auf dem Dach lässt die Leselampen leuchten, auch das Smartphone können wir dort aufladen. Kerzen haben wir genug, dazu eine Petroleumlampe, die Gasflasche für den Kochherd ist fast voll, der Autotank dagegen fast leer. Schlecht, denn bei einem totalen Stromausfall kommt kein Sprit mehr aus der Zapfsäule. Immerhin haben wir noch Hundefutter für ein paar Tage, auch ein paar Vorräte für uns, aber die wären bald verbraucht. Und dann? Die Supermärkte wären bald leer gekauft, die Waren in den Kühltruhen verderben, die Kassen funktionieren nicht, Warennachschub gibt es nicht, Bargeld bald auch nicht mehr. Zum Glück haben wir nch Holzfür den Ofe und Trinkwasser, das wir mit einem Eimer aus dem Brunnen oder aber vom See holen können. Noch viel mehr Glück aber haben wir, dass draußen kein »Blackout« alles lahmgelegt hat. Das Licht im Nachbarhaus funktioniert, ich habe gerade noch einmal nachgesehen ...
Ach übringens: Heute schreibe ich, Marion, unter Pseudonym als Inka. Die digitale Technik hat so ihre Tücken - auch ohne Stromausfall.