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Montag, 19. Dezember 2016

Winterlicher Genuss – vegan und regional

Kochen und Backen haben naturgemäß viel mit Mathematik zu tun, allein schon wegen der vielen Mengenangaben. Aber noch ein mathematisches Phänomen scheint sich damit zu verbinden: Auch wenn die Reihe der Kochbücher im Regal lang und länger wird, heißt das längst noch nicht, dass wir die Rezepte daraus auch tatsächlich in unser Kochrepertoire aufnehmen. In diesem Zusammenhang von umgekehrt proportional zu sprechen, – also je mehr Vielfalt im Bücherregal, je mehr Einfalt im Topf –, wäre dann doch übertrieben, aber bei vielen Rezepten bleibt es bei einem alles oder mehr noch nichts verheißenden »Man-Könnte-ja-mal« ...
Das ist jedenfalls meine Erfahrung mit Kochbüchern, aber es gibt zum Glück Ausnahmen. Miriam Emmes und Daniela Friedls »Regionale Winterküche – soja- und weizenfrei, vegan« ist eine solche Ausnahme. Apfel, Schwarzwurzel, Wirsing und selbst Wacholderbeere – allesamt auch jetzt im Winter aus regionalem Anbau oder sogar noch aus dem eigenen Garten verfügbar – werden ohne großen Schnickschnack zu gleichermaßen Augen und Gaumen ansprechenden und trotzdem alltagstauglichen Gerichten verarbeitet. 
Der "Vorteig" für das Apfelbrot muss über
Nacht ruhen.
Das würzig-süße Apfelbrot mit Dinkelmehl, geriebenen Äpfeln, Nüssen und Trockenobst haben wir in zwei Tagen gleich zwei Mal gebacken. Das will etwas heißen. So lecker und unkompliziert verheißen auch all die anderen Rezepte zu sein, angefangen beim warmen Pilzsalat bis hin zum Birnen-Zwiebel-Schmalz mit Zwischenstationen bei Rosenkohl und Maroni oder Flammkuchen mit Rotkohl.
Der Satz »Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah« findet hier seine kulinarische Bestätigung. Immer mehr Menschen möchten nicht zuletzt aus ökologischen Gründen regional und  saisonal essen, können aber mit den dazugehörigen traditionellen Rezepten nicht mehr viel anfangen, dieses Kochbuch aber hat das Zeug dazu, neue Klassiker zu schaffen, die geänderten Ernährungsgewohnheiten wie selbstverständlich Rechnung tragen.
Hier die Daten zum Buch:
Miriam Emme und Daniela Friedl, »Regionale Winterküche – soja- und weizenfrei, vegan«, 160 Seiten, 88 Farbfotos, gebunden, Verlag Eugen Ulmer,  19,90 Euro, ISBN 978-3-8001-0841-1. 

Besonders lecker schmeckt das nach dem Rezept aus dem Buch "Winterküche" gebackene Apfelbrot zum Sonntagnachmittagskaffee – statt Kuchen.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Obst ist kein Ersatz für Gemüse

Für eine schnelle Gemüsemahlzeit darf es auch gerne
einmal 
Tiefkühlgemüse sein. "Aufpeppen" lässt es sich
durch 
frische Zutaten wie in diesem Fall durch ein Bund
Frühlingszwiebeln, die in Ringe geschnitten in die
Gemüse
pfanne gegeben wurden. 
In der "Welt" von vorgestern las ich heute – ich komme nicht immer dazu, alles Interessantes aus drei Tageszeitungen gleich am Erscheinungstag zu lesen – ein bemerkenswertes Interview. Professor Dr. Andreas Pfeiffer, Endokrinologe und Ernährungsmediziner an der Charité Berlin, wurde zum Ernährungsverhalten der Deutschen befragt. Anlass war eine OECD-Studie, der zufolge die Deutschen beim Gemüsekonsum in der EU ganz weit hinten liegen. Nur in Rumänien und den Niederlanden essen noch weniger Menschen täglich Gemüse. Spitzenreiter in Europa sind beim Gemüseverzehr die Griechen, Italiener, Kroaten, Slowenen, Belgier, Briten und Iren. Dass in England doppelt so viele Menschen täglich Gemüse essen wie in Deutschland, hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht, gilt doch die englische Küche nicht unbedingt als die beste.
Ich will hier nicht das ganze Interview nacherzählen, denn es enthält vieles, was längst allgemein bekannt ist, zum Beispiel dass die Deutschen zu viel Brot und Nudeln essen (der übermäßige Fleischkonsum wurde in dem Interview nicht thematisiert). Aber eine Aussage des Ernährungsmediziners sollte an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Obst ist kein Ersatz für Gemüse! Bei Obst sollten wir wegen des hohen Fruchtzucker-Anteils zurückhaltender sein.
Mit dem Smoothie-Boom ist der Obstkonsum hierzulande gestiegen, aber wirklich gesund sind nur die grünen Smoothies, die einen hohen Gemüseanteil haben. Im Winterhalbjahr bieten sich dafür zum Beispiel Grünkohl und Feldsalat an. Reine Obstsmoothies sind dagegen wahre Zuckerbomben.

Dienstag, 22. November 2016

Eine gelungene Überraschung

Der Adventskalender lädt dazu ein, jeden Tag bis Weihnachten eine andere Teesorte zu probieren.
Am meisten freut man sich doch über Geschenke, die ganz ohne einen Anlass (wie zum Beispiel Geburtstag oder Weihnachten) kommen. Heute durfte ich mich einmal mehr über eine gelungene Überraschung freuen. Es klingelte. Eine Freundin stand vor der Tür und überreichte mir als Einstimmung auf die Weihnachtszeit einen selbstgebastelten Adventskalender. Er ist so einfach wie genial und ökologisch obendrein. Er besteht aus einer runden Pappscheibe mit Loch in der Mitte. Auf der Scheibe sind 24 wiederverwertbare Wäscheklammern aus Holz angeordnet. Jede der Klammern hält einen Teebeutel mit einer anderen Teesorte – alle von meiner Lieblingsmarke Pukka. Ich trinke jeden Abend eine ganze Kanne Pukka-Tee, aber fast immer nur die Sorte "Süßholz und Zimt". Dank des Adventskalenders kann ich mich jetzt einmal unverbindlich durch das gesamte Sortiment trinken und werde dabei gewiss noch einige andere leckere Sorten entdecken. Danke, liebe Sabine, über diesen Adventskalender habe mich wirklich sehr gefreut.
Und ich schäme mich auch gar nicht, hier Werbung für Pukka zu machen. Es sind einfach die besten Bio-Kräutertees, die ich je getrunken habe. Außerdem hat der Hersteller, die englische Firma Pukka Herbs Ltd. mit Sitz in Bristol, einen ganzheitlichen Ansatz. Bio sind nicht nur die verwendeten Kräuter, sondern auch die Baumwollfäden der Teebeutel. Die Verpackungen sind aus Recyclingpapier und mit Pflanzenfarben bedruckt, die Teebeutel kommen ohne Metallklammer aus und sind somit vollständig kompostierbar, und last but not least hat Pukka meiner Meinung nach einfach das schönste Verpackungsdesign.
Ich weiß, dass viele Leute Teebeuteltee generell ablehnen, weil loser Tee natürlich noch ökologischer ist. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass loser Tee schneller sein Aroma verliert und man ihn außerdem etwas großzügiger dosiert, sodass man deutlich mehr davon verbraucht, was angesichts des hohen, aber für die Qualität durchaus angemessenen Preises von Pukka-Tee auf Dauer doch etwas kostspielig wäre.

Dienstag, 30. August 2016

Zwiebeln trocknen in der Sonne

Aus der Erde geholt worden sind sie schon. Jetzt müssen sie nur noch trocknen und können dann eingesammelt werden.
Nachdem sie im ersten Arbeitsgang aus der Erde geholt worden sind, trocknen sie jetzt in der Sonne, bevor sie eingesammelt und abtransportiert werden. Speisezwiebeln gehören zu den weniger verbreiteten Feldfrüchten bei uns in der Heide, wo überwiegend Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben angebaut werden. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir ab und zu einmal ein Möhrenfeld oder, wie in diesem Fall, ein Zwiebelfeld entdecken.
Vom Fahrrad aus konnten wir das Zwiebelfeld bei Uelzen schon riechen, bevor wir es sahen. Die Zwiebeln verströmen einen so aromatischen Duft, dass wir uns am liebsten gleich bedient hätten. Vielleicht wäre es uns schwerer gefallen, uns zurückzuhalten, wenn es sich nicht um herkömmliche Speisezwiebeln, sondern um die mild-würzigen roten Zwiebeln, die wir so mögen, oder um kleine, feine Schalotten gehandelt hätte.
Tipp: Wer mehr über die Zwiebel, die zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit zählt und schon seit mehr als 5000 Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze angebaut wird, wissen möchte, sollte mal beim Fachverband Deutsche Speisezwiebel e.V. vorbeischauen. Dort kann man sich auch einen Flyer herunterladen, der kurz und knackig über die Zwiebel informiert.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Farbstarke Marmelade

Zwei Variationen in Orange: Möhren-Aprikosen-Gelee (links) und Tomaten-
Orangen-Marmelade mit Chilli. In den schönen Gläsern ein wirklich nettes
kleines Geschenk.
Heute bekamen wir lieben Besuch – und kleine Geschenke zur Begrüßung: unsere Lieblingsschokolade in drei Varianten, eine kleine Tüte selbstgebackene Kekse und zwei Gläser Marmelade aus eigener Herstellung. Besonders die Marmelade hat es uns angetan, nicht nur wegen der schönen Gläser, sondern auch wegen der leuchtenden Farbe und nicht zuletzt wegen der raffinierten Rezepte: In dem einen Glas befindet sich Tomaten-Orangen-Marmelade mit Chilli. Das andere Glas enthält streng genommen keine Marmelade. Es handelt sich dabei viel mehr um Möhren-Aprikosen-Gelee.
Solche kleinen Geschenke, mit viel Liebe selbst hergestellt worden sind, sind doch viel schöner als all das, was man so an Geschenkartikeln im Laden kaufen kann.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Eine gute Sache

Die Samenernte im eigenen Garten (hier Stangenbohnen) oder auf dem 
eigenen Feld sollte eine Selbstverständlichkeit sein, doch großen Saatgut-
konzernen ist das ein "Korn" im Auge. Brot für die Welt sieht den Verlust 
an biologischer Vielfalt als Ursache für Mangelernährung, weil vielerorts 
Mais und Weizen traditionelle Pflanzen wie Hirse verdrängt haben. Diese 
Pflanze bringt zwar weniger Ertrag, enthält aber viel mehr Nährstoffe und
ist für Klima und Böden oft viel besser geeignet, was den Aufwand für 
Düngung und Pflanzenschutz minimiert. 
Für mich ist es eher eine Liebhaberei, wenn ich jedes Jahr einige der schönsten Tomaten für die Samenernte abnehme. Eine kleine Sammlung ganz unterschiedlicher Sorten habe ich auf diese Weise zusammengetragen. Eines haben diese Tomaten gemeinsam: Ihre Früchte gibt es in keinem noch so gut sortierten Supermarkt zu kaufen. Überhaupt ist dank der vielen alten Sorten, die mit viel Enthusiasmus und Engagement gesammelt und wieder mit System vermehrt werden, eine größere Vielfalt auf die Gemüsebeete gezogen.
Dass diese Vielfalt, der Erhalt der alten regionalen Sorten in einem viel größeren Zusammenhang betrachtet, den Hunger in der Welt lindern kann, bringt die aktuelle Spendenkampagne "Satt ist nicht genug!" von Brot für die Welt in diesem Jahr ins Bewusstsein.
Mit dem örtlichen Gemeindebrief, den wir bekommen, obwohl wir keiner Kirche angehören, lag heute die kleine Broschüre dazu im Postkasten. Darin ist von dem Bauern Flavio Garra die Rede, dessen ausgemergelte Böden kaum noch Nahrhaftes produzierten. Eine von Brot für die Welt unterstützte Landwirtschaftsorganisation brachte den Kleinbauern dazu, wieder Quinoa anzubauen. So wie es einst seine Eltern gemacht hatten, bis sie für die Andenhirse keinen Markt mehr fanden. Die Rückkehr der tradionellen Pflanze, die mittlerweile weltweit geschätzt wird, auf seine Äcker sichert Flavio Garra heute wieder sein Auskommen.
Die Möglichkeit, eigenes Saatgut gewinnen zu können und damit unabhängig von den großen Saatgutkonzernen sein zu können, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Durch den Aufbau von Saatgutbanken sei es in etlichen Regionen gelungen, Kleinbauern den freien Zugang zu regional bewährten Pflanzen zu sichern. Parallel dazu gibt es aber auch Bestrebungen, die Möglichkeit, Pflanzen und Saatgut zu gewinnen und weiterzugeben, ohne Lizenzen an Saatgutkonzerne zahlen zu müssen, drastisch einzuschränken. Dies hätte für die Kleinbauern verheerende Folgen. Dabei sind sie es doch, die in weiten Teilen der Erde mit den geringsten Mitteln den größten Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung leisten.
Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, wird dazu zitiert: "Die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren. Im Moment steht Afrika dabei im Mittelpunkt. Die regionale Eigenzucht, eigene Saatgutbanken, der kostenlose Tausch oder
 die kostengünstige Weitergabe von Saatgut unter den Bauern und Bäuerinnen sind in Gefahr. Erlangen die Konzerne Macht über diesen Handel, wäre die Vielfalt der lokalen und regionalen Saaten bedroht. Hunger und Mangelernährung lassen sich so nicht bekämpfen." Weiter lesen wir: "Das Menschenrecht auf Nahrung, zutreffender Recht auf angemessene Ernährung genannt, ist am besten durch eigene Produktion zu verwirklichen. Hierfür müssen die Ressourcen frei verfügbar sein. Das heißt, neben dem Zugang zu Land und Wasser muss auch der freie Zugang zu Saatgut gegeben sein und darf nicht durch Gesetze und Regelungen im Sinne der Saatgutindustrie eingeschränkt werden. Brot für die Welt unterstützt deshalb das Leitmodell der Ernährungssouveränität, wie es die Kleinbauernorganisation La Via Campesina fordert: All diese Güter müssen denen gehören und denen zur Verfügung stehen, die auf dem Land und vom Land leben. Die bäuerlichen Saatgutsysteme müssen unterstützt werden und Saatgutgesetze, die sich gegen Bauern und Bäuerinnen richten, reformiert werden."
Egal, wie man zur Kirche und ihren Organisationen steht, so ist dieser politischen Forderung dennoch nichts hinzuzufügen, und es ist gut, wie klar hier Stellung bezogen wird. Hoffentlich hat die Kampagne von Brot für die Welt großen Erfolg. Schließlich geht es um Entwicklungshilfe im besten Sinn, da sie die Kleinbauern befähigt, ihre Situation selbstständig zu verbessern und sie nicht in neue Abhängigkeiten zu verstricken.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Hokkaidos aus dem Garten

Da sie so dekorativ sind, mögen wir sie noch gar nicht verspeisen. Zum Glück kann man Kürbisse recht lange lagern.
Hokkaidokürbisse gibt es mittlerweile auch als Bio-Ware zu akzeptablen Preisen in jedem größeren Supermarkt. Dennoch geht doch nichts über Hokkaidos aus dem eigenen Garten. Schmecken sie aber wirklich besser als die gekauften? Ja, und zwar deshalb, weil man weiß, dass sie aus eigenem Anbau stammen, und das gute Gefühl, dass man dabei hat, offenbar den Geschmackssinn positiv beeinflusst. Außerdem macht es Spaß, den Hokkaidos im garten beim wachsen zuzusehen. Und dekorativ sind diese Hokkaidos obendrein.
Das Schöne an den Hokkaidos ist, dass man sie mit Schale zubereiten kann, und somit kaum Abfall hat.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Lieferengpass, der Hoffnung macht

Wahrscheinlich gibt es auf dem Land viel weniger Veganerinnen und Veganer als in der Stadt, aber es werden immer mehr. Das Kühlregal mit veganen Fleisch- und Käseersatzprodukten im großen Edeka-Markt im Nachbarort wirkt meistens wie geplündert, und wenn in der Werbung neue vegane Produkte angepriesen werden, sind diese meist schon am Abend des ersten Angebotstages ausverkauft. Ein Ärgernis? Nein, im Gegenteil: Es ist doch ein gutes Zeichen, dass die Nachfrage offenbar ständig steigt, obwohl der maßgeblich von Atilla Hildmann ausgelöste Vegan-Hype längst vorbei ist. Ich habe mich jedenfalls gefreut, als ich heute diesen Hinweis am Kühlregal entdeckte, auch wenn Rechtschreibung und Grammatik etwas eigenwillig sind:


Natürlich wäre es mir lieber, wenn die Leute statt Fleisch- und Käseersatzprodukten lieber frisches Bio-Gemüse und Bio-Getreide kaufen würden, aber ich bin schon froh über jede und jeden, der seinen Konsum von Produkten tierischer Herkunft deutlich einschränkt.

Samstag, 18. Juli 2015

Mein erstes glutenfreies Brot

Lockere Krume und knusprige Kruste – ganz
ohne Klebereiweiß.
Seit Tausenden von Jahren zählt er zu unseren Grundnahrungsmitteln,  aber jetzt ist er in Verruf geraten, der Weizen. Das liegt vor allem an seinem Glutengehalt. Der ist in den vergangenen Jahrzehnten durch Züchtung immer weiter erhöht worden, sodass immer Menschen überempfindlich darauf reagieren. Neben der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), einer Autoimmunkrankheit, von der glücklicherweise vergleichsweise wenige Menschen betroffen sind, gibt es noch die viel weiter verbreitete Glutensensitivität  und die Weizenallergie. Besonders die Glutensensitivität  ist weit verbreitet, nur wissen viele Betroffene gar nicht, dass Gluten die Ursache ihrer chronischen Verdauungsbeschwerden oder ihres "Reizdarm" ist. Jeder sollte einmal das Experiment machen, für einige Zeit glutenhaltige Lebensmittel zu meiden, um herauszufinden, ob eine Glutensensitivität vorliegt. In vielen Fällen reicht es schon, den Konsum von Brot und Brötchen, die Weizenmehl enthalten, stark einzuschränken, um eine Linderung der Beschwerden zu erreichen.
Auch ich habe das Experiment gemacht und festgestellt, dass ich mich den ganzen Tag lang wohler und aktiver fühle, wenn ich morgens zum Frühstück kein glutenhaltiges Brot gegessen habe. Und deshalb werde ich auch weiterhin darauf verzichten. Statt Weizen, Roggen und Dinkel backe ich mein Brot jetzt glutenfrei mit Reis, Hirse, Buchweizen und Quinoa.
Ich muss gestehen, dass ich vor dem glutenfreien Brotbacken ein wenig Bammel hatte. Die Rezepte für glutenfreie Brote, die ich im Netz gefunden habe, waren mir zu kompliziert und hatten eine viel zu lange Zutatenliste. Es muss doch auch einfacher gehen, sagte ich mir – und probierte es einfach aus. Ich gab 250 Gramm Naturreis, 150 Gramm Buchweizen und 100 Gramm Hirse (alle Zutaten aus Bio-Anbau) in die Getreidemühle. Meinem frisch gemahlenen Mehl fügte ich noch zwei gestrichene Teelöffel Salz, ein Tütchen Trockenhefe und als Bindemittel einen Teelöffel Johannisbrotkernmehl zu. Mit einem kräftigen Schuss Olivenöl und 450 ml lauwarmen Wasser rührte ich den Teig an und ließ ihn abgedeckt knapp zwei Stunden an einem warmen, zugfreien Ort ruhen. Anschließend füllte ich den Teig in eine gefettete Kastenform und bestreute ihn mit Maisgrieß (ergibt eine schöne, knusprige Kruste). In den vorgeheizten Backofen (200 Grad) stellte ich neben die Backform eine kleine Schale mit kochendem Wasser (damit der Teig beim Backen nicht so stark austrocknet). Nach einer Stunde holte ich mein erstes glutenfreies und selbstvertsändlich veganes Brot aus dem Ofen.
Ich aß es gestern Abend als Ciabatta-Ersatz zum Abendessen und heute morgen getoastet zum Frühstück (so schmeckt es mir am besten – sehr lecker!).
Mein zweites Brot werde ich noch etwas verfeinern: Ich werde etwas weniger Wasser und dafür etwas mehr Fett (vegane Margerine) zum Mehl geben. Außerdem werde ich nur 200 Gramm Reis nehmen und stattdessen 50 Gramm Quinoa hinzufügen. Darüber hinaus werde ich vielleicht einige Sonnenblumenkerne und zwei Esslöffel Leinsamen unter den Teig heben.

Samstag, 22. November 2014

Die erste ist schon rot

Die Tomatensaison ist längst vorbei? Von wegen! Sie beginnt jetzt erst, allerdings nicht draußen, sondern drinnen auf
der Fensterbank.
Ende Oktober hatten wir an dieser Stelle die Prognose gewagt, dass wir im Dezember Tomaten ernten können. Die Prognose können wir jetzt insoweit korrigieren, als die erste Tomate jetzt schon erntereif ist und die nächste in etwa zwei bis drei Wochen soweit sein dürfte. Das ist natürlich keine große Ausbeute, zumal die Früchte der Sardinischen Minitomate tatsächlich winzig sind, aber wir freuen uns dennoch. Und da wir jetzt wissen, dass es mit der winterlichen Tomatenernte tatsächlich funktionieren kann, werden wir noch etwas experimentieren, um den Ernteertrag im nächsten Winter noch steigern zu können. Außerdem hat nicht jeder so eine interessante Zimmerpflanze.

Mittwoch, 19. November 2014

Lupine – Eiweißquelle der Zukunft?

Schon die alten Griechen und Römer kannten und
schätzten die Lupine als Eiweißquelle. Inzwischen
hat sie auch die Lebensmittelindustrie entdeckt.
Fleischproduktion bedeutet unermessliches Tierleid und ist obendrein auch noch der Klimakiller Nummer eins. Leider gibt es immer noch viele Egoisten, die sich nicht im Geringsten darum scheren und so tun, als hätten sie ein Grundrecht auf Schnitzel, Salami, Bratwurst und Döner. Doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Fleischkonsum reglementiert wird – entweder über den Preis oder durch eine gesetzliche Regelung. Ohne eine solche Beschränkung wird es nicht möglich sein, die  wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Denn die Erzeugung tierischer Proteine benötigt etwa die fünffache Fläche wie der Anbau von Pflanzenproteinen.
Damit die Umstellung von tierischen auf pflanzliche Lebensmittel gelingt, arbeiten Forscher schon seit Jahrzehnten an Verfahren, die es ermöglichen, pflanzliche Produkte herzustellen, die sich hinsichtlich des Geschmacks und der Textur nicht oder kaum von tierischen Produkten unterscheiden.     Waren zunächst Sojabohnen der Favorit, die allerdings importiert werden müssen und zunehmend genmanipuliert sind, konzentriert sich die Forschung jetzt auf die weiß blühende Blaue Süßlupine, die hierzulande gerne als Stickstoff bindende  Gründüngung angebaut wird.
Schon die alten Griechen und Römer kannten und schätzten die Lupine als Eiweißlieferant. Friedrich der Große ordnete Ende des 18. Jahrhunderts den versuchsweisen Anbau der Lupine als Feldfrucht an, und während des ersten Weltkrieges wurde der Anbau der Lupine politisch propagiert. Um der Lupine zum Durchbruch zu verhelfen, lud im Oktober 1918 in Hamburg die "Vereinigung für Angewandte Botanik" zu einem "Lupinen-Festessen" ein. In einem Bericht aus jener Zeit heißt es dazu: "Auf einem Tischtuch aus Lupinenfaser (aus der reifen Pflanze) wurden serviert: Lupinensuppe, Lupinenbeefsteak in Lupinenöl gebraten und mit Lupinenextrakt gewürzt, als Nachtisch Lupinenbutter und Lupinenkäse mit einem Lupinenschnaps und zum Schluß einem Lupinenkaffee. Zum Händewaschen lagen Lupinenseife und Handtücher aus Lupinenfaser bereit. Auch Schreibpapier aus Lupinenfaser und Umschläge mit Lupinenklebstoff wurden angeboten." Im Volksbrockhaus von 1941 wurde die Lupine noch als wichtiger Proteinlieferant in Deutschland aufgeführt. Danach verlor sie aufgrund der guten Verfügbarkeit tierischer Eiweißquellen immer mehr an Bedeutung, bis sie Ende der 1980er Jahre wiederentdeckt wurde. Damals begannen Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft ein Verfahren zu entwickeln, mit dem der trotz des Namens nicht süß schmeckenden Süßlupine der bittere Beigeschmack genommen werden konnte. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler bereits in die Praxis umgesetzt: Seit 2011 produzieren sie das bei uns Veganern beliebte Lupinen-Eis, von dem inzwischen jährlich bis zu 400.000 Becher verkauft werden. Für ihr Verfahren, mit dem es gelingt, die Proteine in den Lupinensamen von den bitteren Aromen zu trennen, wurden Dr. Stephanie Mittermaier, Dr.-Ing. Peter Eisner und Dipl.-Ing. Karin Petersen heute mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Der von Bundespräsident Joachim Gauck überreichte Preis ist mit 250.000 Euro dotiert. Dank der öffentlichkeitswirksamen Preisverleihung werden sich die Preisträger über ein steigendes Interesse der Lebensmittelindustrie an ihren Lupine-Produkten freuen können, und grundsätzlich ist es ja auch eine gute Sache, wenn Fleischersatzprodukte auf den Markt kommen, die geschmacklich besser als die auf Sojabohnenbasis sind und deren Rohstoffe auch hier bei uns in Deutschland angebaut werden können. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die darauf verweisen, dass die Trennung der Proteine von den Aromen ein industrieller Fertigungsprozess ist, der unser Bestreben (und das vieler anderer Veganer) konterkariert: Wir wollen doch keine Industrieprodukte durch andere ersetzen. Lediglich für den bislang noch Fleisch essenden Teil der Bevölkerung können solche industriell gefertigten Ersatzprodukte eine Alternative sein. Nicht verschwiegen werden sollte, dass viele Menschen ebenso wie auf Sojabohnen auch auf Lupinensamen allergisch reagieren. Und schließlich ist zu bedenken, dass der Anbau der Lupine in großflächigen Monokulturen zwar besser als der Maisanbau (für die Biogasgewinnung), aber dennoch nicht unproblematisch ist. Erfahrungen mit sich rasant ausbreitenden Lupinen haben die Isländer machen müssen. Als Maßnahme gegen die Bodenerosion waren im 20. Jahrhundert Lupinen aus Alaska eingeführt worden, die zur Bildung einer geschlossenen Pflanzendecke beitragen sollten. Inzwischen wächst die Lupine auf der Insel im Nordatlantik wie Unkraut. Das erfreut zwar zur Blütezeit die Touristen, aber isländische Naturschützer befürchten, dass die Lupine einheimische Pflanzenarten verdrängt. Vielleicht sollten wir uns nicht zu sehr auf die Lupine konzentrieren, sondern parallel dazu auch auf andere pflanzliche Eiweißquellen setzen. Unser persönlicher Favorit ist schon lange der Hafer.

Mittwoch, 12. November 2014

Nachhilfe in Nachhaltigkeit

Oft ist es gar nicht so einfach, etwas Bestimmtes auf den Punkt zu bringen und allgemeinverständlich zu erläutern, besonders wenn es sich um so abstrakte und zugleich arg strapazierte Begriffe wie "Nachhaltigkeit" oder "Biodiversität" handelt. Alle reden davon, aber nur die wenigsten wissen, was damit so richtig gemeint ist. Deshalb hat sich die Biobranche jetzt etwas einfallen lassen und einen Image-Zeichentrickfilm produzieren lassen, der einfach und unterhaltsam erklärt, worum es bei den genannten Begriffen geht. Der Film ist Teil einer Informationskampagne, die der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), ein eingetragener Verein, gestartet hat. Eigens dafür wurde eine neue Website unter der Adresse nachhaltigbio.de gestaltet. Der Film (2:17 min.) kann auf der Website oder direkt auch hier angeschaut werden:


Die Nachhaltigkeitsleistungen der Bio-Branche sichtbar machen, das ist das Ziel von "Nachhaltig Bio!". Anhand von erlebbaren Praxisbeispielen aus Herstellung, Groß- und Einzelhandel wird gezeigt, mit welch großem Engagement und Innovationen sich die Protagonisten der Bio-Branche einer nachhaltigen Lebensweise verschrieben haben.  

Sonntag, 17. August 2014

Als es noch keine Kartoffeln gab . . .

Früher bildeten seine Samen die Nahrungsgrundlage der Menschen in der Lüneburger Heide. Heutzutage wird Buchweizen
bei uns fast nur noch als Gründüngung angebaut – so auch hier auf diesem Feld.
Die vielleicht beliebteste Spezialität der Lüneburger Heide ist neben Honig und Heidschnuckenbraten die Buchweizentorte. Der Buchweizen wird heutzutage allerdings überwiegend aus China importiert. Bei uns in der Heide wird Buchweizen leider fast nur noch als Gründüngung angebaut. Dabei wäre das anspruchslose Knöterichgewächs, was entgegen dem Namen mit Weizen und anderen Getreidearten weder verwandt noch verschwägert ist, perfekt für unsere kargen Sandböden. Es müsste weder gedüngt noch beregnet werden. Allerdings ist Buchweizen für die Bauern uninteressant, da der Ertrag im Verhältnis zur Fläche geradezu lächerlich gering ist.
Buchweizengrütze bildete, bevor die Kartoffel ihren Weg auch zu uns in die Heide fand, die Ernährungsgrundlage der Menschen in dieser Region. Da Buchweizen kein Gluten (Klebereiweiß) enthält, war er zum Brotbacken ungeeignet, fand aber für Kuchen und Pfannkuchen Verwendung.
Sein Namen hat der Buchweizen von seinen Samen, die aussehen wie Bucheckern.
Besonders faszinierend finde ich die roten Blätter der filligranen Pflanzen, die auch bei bedecktem Himmel intensiv leuchten. Als wir heute auf unserer Tour mit den Hunden an einem Buchweizenfeld – der Buchweizen diente auch hier als Gründüngung – vorbeikamen, waren wir wirklich begeistert wegen der Farbenpracht.

Donnerstag, 7. August 2014

Zu Gast in Celles 1. veganen Café

Nettes Ambiente, leckerer Kaffee mit Mandelmilchschaum
und dazu Kuchen und Torte – alles vegan.
Heute Nachmittag bin ich mit unserer spanischen Freundin Cristina, die morgen leider schon wieder abreist, nach Celle gefahren, um ihr die alte Residenzstadt zu zeigen, die mit ihren mehr als 400 Fachwerkhäusern und zahlreichen architektonisch bedeutende Gebäuden im Bauhaus-Stil einzigartig in Deutschland ist. Auf unserem Stadtrundgang besuchten wir selbstverständlich auch das wunderschöne weiße Renaissance-Schloss der Celler Herzöge, die 123 Jahre lang zugleich auch Könige von England waren, und flanierten durch die Alleen des Französischen Gartens. Für unsere Kaffeepause hatten wir uns das Café Veg-Ruf ausgewählt, das vor genau fünf Monaten eröffnet hat und Celles erstes veganes Café ist. Es befindet sich in der Hafenstraße, fast direkt an der Aller, und grenzt direkt an den Großparkplatz am Schützenplatz, wo viele Celle-Besucher (auch wir) parken. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Innenstadt kommt man also zwangsläufig am Veg-Ruf vorbei, und man kann nur hoffen, dass diese strategisch günstige Lage dem Café viele Gäste beschert, die einfach mal testen wollen, wie lecker veganes Essen sein kann.
Betrieben wird das Café von Martina und Malte, die viele Jahre mit ihrem Trans-Fair-Bus durch Deutschland gereist sind, um auf Märkten fair gehandelte Produkte zu verkaufen. Aus alter Verbundenheit zu ihren Lieferanten in Sri Lanka bieten die Beiden weiterhin Fair-Trade-Fußmatten und Taschen an, die im Café erhältlich sind.
In diesem kleinen "Hexenhäuschen" befindet sich Celles erstes
vegane Café, das den Anspruch hat wachzurütteln und deshalb
"Veg-Ruf" heißt.
Malte war 30 Jahre Vegetarier, bevor er sich für die vegane Lebensweise entschied – der Tiere wegen. Der Name des Cafés ist Programm, und ein auf die Hauswand gemalter Rasselwecker unterstreicht den Anspruch, der beiden Café-Betreiber, alle Leute, die gedankenlos tagtäglich tierische Produkte konsumieren, wachzurütteln. Dieses geschieht täglich außer dienstags ab 12 Uhr (geöffnet ist bis 18 Uhr) mit diversen Kaffeespezialiäten. Den Milchschaum zaubern Malte und Martina entweder aus Soja- oder Mandelmilch. Wir bevorzugen letztere.
Zum Kaffee – wir bestellten einen Cappuccino und einen Milchkaffee – gönnten wir uns ein Stück Schoko-Käsekuchen und ein Stück Marzipan-Nusstorte. Beide waren superlecker und man merkte, dass mit guten Zutaten nicht gespart worden war. Da ich aber nicht so die Tortenfreundin bin, ist der Schoko-Käsekuchen mein Sieger nach Punkten.
Auch der Snack, der am Nebentisch verspeist wurde, schien offenbar zu schmecken, denn er wurde ehrlich gelobt. Gut sah er sowieso aus.
Neben Muffins, Hotdogs und belegten Brötchen gibt es auch ein Wochengericht (aktuell Kartoffelsalat mit veganem Hacksteak) sowie veganes Eis.
Die Preise sind angemessen, das Ambiente hell und freundlich, und die Gäste kommen schnell mit den Betreibern ins Gespräch. Für Martina und Malte scheint das Café zugleich Esszimmer, Wohnzimmer und Arbeitszimmer zu sein, und man kann Malte dabei zuschauen, wie er seine Büroarbeit erledigt, wenn gerade mal kein Gast zu bedienen ist.
Hoffentlich hören viele den "Veg-Ruf" und folgen ihm in die Hafenstraße, damit sich Celles erstes vegane Café bald etabliert hat.

Sonntag, 3. August 2014

Gut bevorratet

100 Liter beträgt das Volumen der Truckbox auf der Ladefläche unseres Pickups. Das ist in etwa so viel wie der Rauminhalt eines durchschnittlichen Kühlschranks. Auf der Hinfahrt nach Schweden enthielt die Truckbox frisch gewaschene Bettwäsche, Gardinen und Teppiche, auf der Rückfahrt war sie hingegen randvoll gefüllt mit Lebensmitteln, die es im veganen Entwicklungsland Deutschland (noch) leider nicht zu kaufen gibt. Ganz oben auf unserer Einkaufsliste standen auch diesmal wieder die veganen Produkte der Firma Oatly (http://www.oatly.com). Da das Produktsortiment dieser Firma bis auf einige Ausnahmen hierzulande nicht erhältlich ist, können wir es hier ganz schamlos anpreisen, ohne uns dem Vorwurf der Schleichwerbung auszusetzen.


Blick in unseren mit vegangen Oatly-Produkten aus Schweden gut gefüllten Kühlschrank.

Unser absolutes Lieblingsprodukt von Oatly ist der Haferjoghurt. Der schmeckt um Klassen besser als  Sojajoghurt, den wir vor allem aufgrund seiner kleisterartigen Konsistenz nicht mögen (und geschmacklich ist er auch keine Offenbarung). Oatlys Haferjoghurt ist herrlich cremig und schmeckt superlecker, allerdings ganz anders als aus Milch gemachter Joghurt. Auf Platz 2 unserer Oatly-Hitliste steht iMat Fraiche, eine wunderbare vegane Crème Fraîche, dicht gefolgt vom Hafer-Schokotrunk auf Platz 3.
Die Oatly-Produkte sind nicht nur geschmacklich top, sondern haben auch die frechsten und unkonventionellsten Verpackungen. Mit Werbeslogans wie "wow no cow" und Texten, bei denen man sich am Frühstückstisch schlapplachen kann, buhlt Oatley gezielt um die junge, hippe Käuferschicht, die Wert auf tierleidfreie Ernährung legt. Die Seite der Verpackung mit der Inhaltsdeklaration steht zum Beispiel unter der Überschrift "the boring (but very important) side", und im Text über die Vorzüge von gesäuerten Hafererzeugnissen räumt ein gewisser John ein, dass er nicht wisse, warum diese so gut für das Herz seien. Er habe keine Ahnung, denn er sei nur der Texter. Aber man dürfe ihn gerne anrufen, wenn man herausgefunden habe, wie die Oatly-Produkte für unsere Gesundheit wirken, und es ihm mitteilen.
Oatly-Produkte schmecken also nicht nur gut, sondern sie machen auch richtig Spaß, und deshalb haben wir, nachdem unsere Truckbox leergeräumt ist, auch den ganzen Kühlschrank voll damit. Allerdings haben wir diesmal nicht ganz so viel gekauft wie im vergangenen Herbst, denn wir wollen ja Ende September erneut für ein paar Tage nach Schweden fahren und können bei dieser Gelegenheit ausreichend Oatly-Nachschub besorgen.

Montag, 26. Mai 2014

Eine Schale Sommer

Die schmecken so richtig schön nach Sommer: Erdbeeren mit (veganer) Sahne.
En tallrik sommar (ein Teller Sommer) sagen die Schweden zu frischen Erdbeeren mit Sahne. Die Schweden sind noch erdbeerverrückter als wir. Wenn in Schweden die Erdbeerzeit beginnt, sind die Städte und Dörfer plötzlich voll mit Händlern, die am Straßenrand kleine Campingtische aufstellen und frisch gepflückte Erdbeeren verkaufen. Ein schnelles Geschäft – nachmittags sind so gut wie alle Erdbeeren ausverkauft.
Auch wir sind längst mit dem Erdbeervirus infiziert, freuen uns wie kleine Kinder, wenn die Erdbeersaison beginnt. Das ist bei uns ein paar Wochen früher der Fall als in Schweden, wo die Erdbeerzeit erst im Juni beginnt und zu Midsommar ihren Höhepunkt erreicht.
Natürlich könnten wir schon im März oder April oder sogar noch im Winter frische Erdbeeren kaufen, aber für uns ist es eine Ehrensache, dass wir den Import-Erdbeeren aus Südeuropa widerstehen und auf den großen Augenblick warten, wenn die heimischen Früchte reif sind und in den Verkauf kommen.  Wir würden ja auch nicht auf die Idee kommen, Spargel aus Peru zu kaufen ...
Eigentlich hatten wir uns am Sonnabend sooo auf Erdbeeren gefreut. Aber als wir am Nachmittag mit unseren Fahrrädern zum Einkaufen in die nahegelegene Kleinstadt kamen, war es wie in Schweden: Wer zu spät kommt, wird mit Erdbeerentzug bestraft. Lediglich bei einem Discounter hätten wir noch drei 500-Gramm-Körbchen für jeweils 99 Cent kaufen können. Doch die Früchte waren schon so matschig, dass wir sie wohl kaum mehr heil nach Hause bekommen hätten. Wenn die Qualität nicht stimmt, kann auch ein rotes Preisetikett nicht locken.
Also gab es am Wochenende keine Erdbeeren – wir haben es trotzdem überlebt. Aber heute mussten unbedingt welche her. Anders als am Sonnabend gab es heute auch am späten Nachmittag noch reichlich Erdbeeren zu kaufen. Ich kaufte ein Pfund und konnte es kaum erwarten, mit diesem süßen, roten Schatz im Fahrradkorb wieder nach Hause zu kommen.
Es war perfektes Timing: Als Marion mit ihrem Auto, zurück von der Arbeit, auf den Hof rollte, konnte ich sie mit einem Teller Sommer oder vielmehr mit einer Schale Sommer begrüßen. Wir ließen uns draußen im Garten die Erdbeeren mit Schlagsahne (selbstverständlich vegane) schmecken, und von dem Pfund Erdbeeren blieb kein einziges Gramm übrig.

Samstag, 17. Mai 2014

Ohne Kochen, ohne Zucker: frisch und fruchtige Erdbeermarmelade

Schmeckt nach Sommer: ohne Zucker und ohne Kochen selbst hergestellte Erdbeermarmelade.
Erdbeermarmelade müsste eigentlich zurzeit ein Ladenhüter sein, denn überall gibt es jetzt frische deutsche Erdbeeren zu kaufen, aus denen sich ohne großen Aufwand in weniger als zehn Minuten köstliche Erdbeermarmelade herstellen lässt – ganz ohne Kochen und ganz ohne Zucker.
Ein Kilo Erdbeeren ergibt eine große Müslischüssel voll Marmelade, die sich theoretisch im Kühlschrank bis zu einer Woche halten würde, praktisch aber höchstens drei Tage hält (weil sie so lecker ist und wir sie deshalb spätestens nach drei Tagen aufgegessen haben).
Auch Fussel kann dem Duft der frischen
Erdbeermarmelade nicht widerstehen.
Nachdem die grünen Stielansätze entfernt und die Erdbeeren gewaschen sind, werden sie mit dem Pürierstab so zerkleinert, dass in dem Fruchtmus noch viele leckere Fruchtstückchen enthalten sind. Der Saft einer halben Zitrone bewahrt nicht nur die rote Farbe der Erdbeeren, sondern konserviert die Früchte auch gleich noch ein wenig. Damit die Marmelade nicht vom Brot fließt, binde ich sie mit Johannisbrotkernmehl (fünf Teelöffel). Das Mark einer Vanilleschote rundet das Aroma der Erdbeeren ab, ohne es zu überdecken. Wem die natürliche Süße der Erdbeeren nicht ausreicht (am besten probieren), süßt entweder mit pürierten Datteln oder mit Stevia nach. Aber selbst dann ist die Marmelade nicht annähernd so süß wie gekaufte aus dem Supermarktregal. Dafür hat sie den vollen Fruchtgeschmack und alle guten Inhaltsstoffe der frischen Früchte, die beim Kochen natürlich verloren gehen würden.
Aus frischen, einheimischen Früchten der Saison selbst hergestellte Rohkostmarmelade ist nicht nur gesünder als die überwiegend aus Zucker bestehenden Kalorienbomben im Glas, sondern hat auch eine bessere Ökobilanz: Da ein großer Teil der Früchte für die hierzulande angebotene Marmelade aus China stammt, wo bekanntlich großzügig Pestizide eingesetzt werden, entfallen bei selbst hergestellter Marmelade die weiten Transportwege, und der Verzicht aufs Kochen spart Energie.
Nicht zu toppen ist natürlich frische, ungekochte Marmelade aus Früchten aus dem eigenen Garten. Doch bis die ersten Früchte bei uns im Garten erntereif sind, wird es noch ein paar Wochen dauern ...

Freitag, 7. März 2014

Ich könnte das nicht...

Wie kann man nur solche wunderbaren Lebewesen essen?
Was soll ich sagen? Ist es Ekel, Unverständnis, vielleicht sogar Bewunderung? Von allem etwas. Die Reportage "Mein Schweinchen namens Dinner — Öko-Ferkel per Internet" heute Abend auf N3 im Fernsehen hat mich etwas verstört zurückgelassen. Eine Familie aus Hamburg "bucht" sich tatsächlich ihr Schwein zum Essen, sucht es bei einem persönlichen Besuch bei dem Bio-Bauern aus, wird mit Fotos über dessen Werdegang auf dem Laufenden gehalten, kommt zwischendurch und am Ende nach sieben Monaten sogar zum Schlachttermin. Die Wurst im Glas hat ein  Etikett mit einem Porträt "ihres" Schweins auf dem Glas, und der kleine Junge der Familie sagt bei der gemeinsamen Verkostung des Schnitzels "lecker". Ich bin ernstlich entsetzt über so viel Kaltblütigkeit, während die Mutter der Familie, die absolute Transparenz der Haltung und Schlachtung lobt und sagt, dass die ihr wichtig ist, wenn man denn Fleisch essen will.
Bei allem Unverständnis (ich hätte gedacht, dass die Familie "ihr" Schwein vor dem Schlachter rettet) bin ich irgendwie auch beeindruckt: Die wenigsten Fleischesser lassen sich so direkt auf "ihr" Tier, seine Belange und auf ihr Ende ein. Für mich ist es unter normalen Bedingungen, also, wenn es nicht ums nackte Überleben geht, undenkbar, jemals wieder ein Tier zu essen. Aber ich finde es dennoch respektabel, wenn Menschen zu ihrem Fleischkonsum stehen, keine anonyme Supermarktware aus dem Regal in ihren Einkaufswagen häufen und sich ernsthaft mit der Haltung der Tiere und ihrem Tod beschäftigen. Wenn sie danach noch in der Lage sind, dass Fleisch zu essen, das vorher ein lebendiges Tier war, bin ich wieder verwirrt, das kann ich nicht nachvollziehen. Aber das ist allemal konsequenter als die zu oft gehörten Rechtfertigungen, "fast nie" Fleisch zu essen (Wurst wird sowieso nie mitgezählt) oder auf Bio-Fleisch umzuschwenken, als wäre damit nicht der Tod eines Tieres verbunden.
Meine Meinung: Wer Fleisch isst, muss sich der Entscheidung über Leben und Tod stellen, wie die Familie in der Reportage oder aber seinen Jagdschein machen. Beides hat noch seine Unzulänglichkeit, denn sowohl die Tiere beim (Bio-)Bauern als auch die jagdbaren Tiere werden gezielt und im Überfluss gefüttert und damit oder durch undurchdringliche Zäune an den Menschen gebunden und ihm ausgeliefert. Mit einer Chancengleichheit, mit einer Achtung vor dem Leben und einer Begegnung auf Augenhöhe hat das für mich nichts  zu tun.

Freitag, 21. Februar 2014

Abstimmung an der Supermarktkasse


Heute bekam ich Post von den beiden Firmen, die für Aldi das
GutBio-Knusper-Müsli herstellen.
Lässt sich durch ethisch verantwortungsvolles Einkaufen die Welt verbessern? Ja, davon bin ich fest überzeugt. Ich glaube sogar, dass die globale Konsumentenmacht mehr bewirken kann als die Politik. Der Münchner Soziologiepropfessor Ulrich Beck hat es schon vor Jahren in seiner Skizze einer "ökonomischen Demokratie" so beschrieben: Wenn Regierungen in der globalen Wirtschaft Konzerne nicht effektiv kontrollieren können, sei eine Alternative die "Abstimmung an der Supermarktkasse". Unverantwortliche Konzerne werden gewissermaßen durch Nichtkauf ihrer Produkte "abgewählt".
Marion und ich haben mittlerweile, nach diesem Prinzip handelnd, schon die meisten Supermarktprodukte "abgewählt". Wenn wir Lebensmittel kaufen, geschieht das nicht, ohne dass wir uns, bevor wir ein Produkt in den Einkaufswagen legen, fragen, ob wir das Produkt wirklich brauchen und ob wir es mit halbwegs gutem Gewissen kaufen können. Alle Produkte, die Bestandteile tierischer Herkunft enthalten, scheiden deshalb schon einmal grundsätzlich aus. Bei anderen Produkten lesen wir zuerst die Inhaltsdeklaration und entscheiden danach, ob wir uns dieses Produkt antun wollen oder nicht.
Einer des wenigen Discounter-Produkte, das war vorbehaltlos gut fanden, war das GutBio Knusper-Müsli von Aldi – bis wir Anfang dieses Monats eine böse Überraschung erlebten (nachzulesen in dem Blog-Beitrag mit der Überschrift "Preis minimal, Qualität maximal gesenkt").
Weil ich total enttäuscht war und mich als Verbraucherin getäuscht fühlte, weil man mir in derselben Verpackung ein minderwertigeres Produkt untergejubelt hatte, schrieb ich sofort eine freundliche, aber bestimmte E-Mail an Aldi. 
Nach knapp einer Woche bekam ich die erste Antwort: Eine freundliche Mitarbeiterin des DE-VAU-GE Gesundheitswerks in Lüneburg, rief mich an und erkundigte sich ein wenig bestürzt nach dem Grund meiner Reklamation. Aldi hatte offensichtlich nur meine Kontaktdaten an sie weitergegeben, aber nicht meine komplette E-Mail an sie weitergeleitet. Sie war ganz erleichtert, als ich ihr versicherte, dass "ihr" Müsli superlecker ist und das sich meine Reklamation auf das Müsli des anderen Herstellers bezieht. Und ich war überglücklich, zu erfahren, dass die Lüneburger mitnichten, wie vermutet, aus dem Rennen sind, sondern dass Aldi viele seiner Produkte parallel von verschiedenen Herstellern bezieht. Das GutBio Knusper-Müsli wird sowohl von DE-VAU-GE als auch von CERALIA in Mühldorf (Bayern) produziert. So kann es passieren, dass man, wie in unserem Fall, in zwei Aldi-Märkten das gleiche Müsli kauft, zuhause dann aber feststellt, dass das eine ganz anders schmeckt als das andere.
Gleich nach unserem Telefongespräch schickte ich der DE-VAU-GE-Mitarbeiterin die Vergleichsfotos von beiden Müslis, damit sie bei Aldi darau hinwirken kann, dass kein anderer Hersteller eine schlechtere Qualität anbietet und so auch dem Ruf der Lüneburger schadet, wenn ein Kunde das Müsli kauft und sich dann über die Qualitätsschwankungen wundert.
Zwei Tage nach dem Telefonat mit DE-VAU-GE bekam ich einen Anruf von Aldi, und zwar von ziemlich unfreundlichen, hörbar genervten Mitarbeiterin aus der für unseren Bereich zuständigen Regionalzentrale. Ich wurde belehrt, dass in "ihren" Märkten weiterhin das Lüneburger Müsli angeboten werde und sie nichts mit dem Aldi-Markt in Braunschweig, wo Marion das miese Müsli aus Bayern gekauft hatte, zu tun hätte. Bevor ich eine "böse E-Mail" schreibe, solle ich mich doch bitte vorher mal informieren, zu welcher Regionalzentrale der jeweilige Aldi-Markt gehört. Ich entgegnete, dass ich bisher davon ausgegangen sei, dass es Aldi Nord und Aldi Süd gibt und nicht gewusst habe, dass Aldi-Nord aus viele kleinen Ketten besteht. Die unfreundliche Mitarbeiterin gab mir die Nummer von der zuständigen Regionalzentrale, und dann war das Gespräch beendet – und mein Entschluss gefasst: Außer dem Lüneburger Müsli und zwei anderen Bio-Produkten, die es so anderswo nicht zu kaufen gibt, werden ich bei Aldi vorerst nichts mehr kaufen. Ich hatte nach diesem unerfreulichen Telefonat auch keine Lust mehr, in der anderen Regionalzentrale anzurufen und mich auch dort auf blöde Art abwimmeln zu lassen.
Heute klingelte der Postbote und brachte mir einen zweiseitigen Brief von CERALIA und ein Paket von DE-VAU-GE mit zwei Tüten Müsli, zwei Packungen Müsliriegeln und einem kurzen Dankesschreiben. "Vielen Dank bei der Aufklärung der o. g. Reklamation", las ich. Und weiter: "Für Ihre Unterstützung in dem Fall senden wir Ihnen mit gleicher Post eine kleine Auswahl aus unserem Sortiment." Eine nette Geste, über die ich mich sehr gefreut habe.
Gefreut habe ich mich aber auch über den ausführlichen Brief aus Bayern, der erfreulicherweise kein vorgefertigtes Standard-Antwortschreiben, sondern individuell formuliert war:  "Wir bedauern es sehr, dass Sie mit der Qualität des GutBio Knsupermüslis unzufrieden sind. Ihren Hinweis als Verbraucher nehmen wir selbstverständlich sehr ernst, da wir als Hersteller gewillt sind, stets den Anforderungen gerecht zu werden." Dann folgt eine ausführliche Erklärung der Produktionsprozesses und eine Aufzählung möglicher Probleme, die bei der Herstellung auftreten und die Qualität beeinträchtigen können.
Selbstverständlich werde mich sowohl für das Geschenk aus Lüneburg als auch für den Brief aus Mühldorf freundlich bedanken. Ich hatte, ehrlich gesagt, nicht erwartet, dass die beiden Firmen so viel Zeit und Mühe in die Beantwortung einer Kundenanfrage investieren. Aber dass sie es tun, bestätigt, dass wir Verbraucher zumindest von den Produzenten ernst genommen werden. Für Aldi und wahrscheinlich auch andere Handelsketten sind wir hingegen offenbar lästige, nervige Kunden. Naja, zum Glück gibt es ja die Möglichkeit zur Abstimmung an der Supermarktkasse (siehe oben).

Donnerstag, 6. Februar 2014

Preis minimal, Qualität maximal gesenkt

Das neue Müsli (links) sieht nicht nur aus wie rosa eingefärbt, es
schmeckt auch nicht so gut wie das alte (rechts) und ist offenbar
lauch qualitativ schlechter.
Ja, wir wissen, wir sollten es nicht, aber dennoch kaufen wir gelegentlich beim Lebensmitteldiscounter. Das ist uns auch ein bisschen peinlich, denn eigentlich sollte man deren Geschäftspolitik, die auf Dumpingpreisen beruht, nicht noch unterstützen. Das soll nicht heißen, dass Edeka, Rewe und Co. besser sind als Aldi, Lidl, Netto und Penny. Strenggenommen müsste man alle diese Handelsketten boykottieren und nur noch im Bio-Laden oder, noch besser, im Vegan-Laden einkaufen. Aber das ist, wenn man in einer dünn besiedelten Gegend abseits größerer Städte lebt, ein logistisches Problem. Außerdem gilt: Nobody is perfect, und diese Erkenntnis nehmen wir auch für uns in Anspruch.
Aldi und Lidl haben einige von uns liebgewonnene Produkte im Sortiment, auf die wir ungern verzichten würden: Bei Lidl ist es der Bio-Kaffee, der zugleich das Fairtrade-Siegel trägt und außerdem viel besser schmeckt als andere Bio-Kaffees in der Preisklasse (ob das gute Gewissen den Geschmack positiv beeinflusst?). Bei Aldi kaufe ich zwei Produkte, die offenbar ein gewisses Suchtpotenzial haben: Die Edel-Bitter-Schokolade mit 85 % Kakao – die einzige Schokolade, die ich noch mag, nicht nur, weil sie vegan ist, und das Tamara-Pflaumenmus. Beide Produkte sind leider nicht bio. Aber Aldi hat auch ein kleines, aber durchaus feines Bio-Sortiment: Die veganen Veggie-Würstchen und der ebenso leckere vegane Veggie-Aufschnitt gehören dazu und natürlich das wunderbare Bio-Vollkorn-Knusper-Müsli. Und damit wären wir endlich beim Thema des heutigen Blog-Beitrags...
"O, unser Müsli ist zehn Cent billiger geworden!" freuten wir, als wir am vergangenen Sonnabend unseren kleinen Aldi-Einkaufszettel abarbeiteten. "Zu früh gefreut!" können wir heute rückblickend feststellen, aber der Reihe nach:
"Da haben die wohl die zehn Cent an der Tüte eingespart", vermutete ich und legte das Müsli in den Einkaufswagen. Außer dem offensichtlich deutlich dünneren Verpackungsmaterial schien die neue Tüte mit der alten identisch zu sein.
Gestern erlebten wir dann zu Hause die böse Überraschung: Das alte Müsli war aufgebraucht, neues musste angemischt werden. Wir strecken, damit es weniger süß und kalorienärmer ist, das Fertigmüsli, mit Bio-Haferflocken im Verhältnis 1:1, also 500 g Müsli und 500 g Haferflocken. Ich öffnete die Verpackung, um den Inhalt ins große Schraubdeckelglas umzufüllen – und war entsetzt: Das neue Müsli ist rosa, und statt vieler kleiner knusprig gebackener Getreidekörner purzeln dicke Klumpen ins Glas. Und wo sind die leckeren Trockenfrüchte geblieben? Statt ganzer Himbeeren und Brombeeren entdecke ich nur noch Fruchtbrösel. Auf der Verpackung sind aber weiterhin ganze Früchte abgebildet. Durch den Hinweis "Serviervorschlag" zieht sich der Hersteller allerdings elegant aus der Affäre.
Ich probiere das Müsli – und spucke fast. "Die haben unser leckeres Müsli voll verhunzt!" jammere ich und bitte Marion, doch auch mal zu probieren. Sie kommt zu demselben Ergebnis. "Das ist ja um Klassen schlechter als das alte!"
"Ja, für zehn Cent weniger bekommen wir jetzt eine mindestens 50 Prozent schlechtere Qualität!"
"Die hätten Neue Rezepte auf die Tüte drucken müssen, dann wären wir gewarnt gewesen."
Jetzt wollen wir es aber genau wissen: Heute macht sich Marion in verschiedenen Aldi-Märkten auf die Suche nach Restbeständen unseres alten Müslis – und ergattert tatsächlich noch zwei Tüten. Zuhause vergleichen wir: Aha, der Hersteller ist ein anderer. Das Müsli kommt jetzt nicht mehr aus Lüneburg, was von uns nur 70 km entfernt ist, sondern aus Oberbayern. Statt eines regionalen Produkts erhalten wir jetzt eins, das aus großer Entfernung herbeigeschafft wird. Und auch in der Inhaltsdeklaration entdecken wir geringfügige Unterschiede.

Links das alte Müsli mit großen Fruchtstückchen und feinkörniger Struktur, rechts das neue mit kleinen Fruchtstücken und
verklumpten Körnern.
Wir fühlen uns von Aldi, um es mal deutlich zu sagen, verarscht. Da hat Aldi offenbar mal wieder Druck auf den Hersteller ausgeübt, um weiter an der Preisschraube zu drehen. Als dieser nicht mit dem Preis heruntergehen wollte, ist der Discounter vermutlich einfach zu einem anderen Hersteller gewechselt. Merkwürdigerweise hat Lidl ebenfalls sein Bio-Müsli um 10 Cent verbilligt. Da steckt doch System dahinter!
Für uns bedeutet das: Wir werden unser Müsli künftig komplett selbst mischen, auch wenn die Zutaten, vor allem die Trockenfrüchte, einzeln teurer sind als in der Fertigmischung.
So, ich werde jetzt diesen Beitrag beenden und einen Beschwerde-Mail an Aldi schicken.