Montag, 30. Juni 2014

Das Dorf wie ausgestorben

Während das restliche Dorf heute Abend vor den
Fernsehern saß, genossen wir die Stille draußen
und den schönen Sonnenuntergang.
Ein heftiger Regenschauer jagte heute den anderen, und erst am späten Abend beruhigte sich das Wetter, sodass wir wider Erwarten beim Hundespaziergang doch nicht nass wurden, sondern sogar noch einen richtig schönen Sonnenuntergang genießen konnten.
"Ach, ist das jetzt schön!" seufzte Marion.
"Ja, und so friedlich", sagte ich. "Warum eigentlich?"
Ich überlegte. Irgendetwas war anders heute Abend. Normalerweise ist doch um diese Zeit – es war gegen 22 Uhr – noch viel mehr los draußen, zumindest jetzt im Sommer. Unser Dorf wirkte wie ausgestorben. Kein Mensch draußen, kein Auto unterwegs und auch kein Traktor (die donnern sonst noch nach Mitternacht über die Dorfstraße) – alles sehr seltsam.
"Ich komme mir vor wie in Marlen Haushofers Die Wand", sagte Marion. "Hmm, vielleicht ist das Dorf auch evakuiert worden, nur uns hat man vergessen", mutmaßte ich.
Wir gingen schweigend weiter und ließen die fast meditative Stille, die über dem Dorf lag, auf uns wirken. Und dann bogen wir um eine Straßenecke und sahen ein fahles, flackerndes grünes Licht, das aus einem der Häuser kam, und dann wusste Marion plötzlich, warum es so ruhig und so friedlich war. "Na klar", rief sie, "das grüne Licht, das kommt vom Rasen?"
"Ich verstehe nur Ampel!"
"Wie kommst Du denn da jetzt drauf?"
"Naja, du hast doch gesagt, das grüne Licht käme vom Rasen. Und da dachte ich an eine Ampel. Wenn man eine grüne Wellehat, verführt das ja vielleicht zum Rasen ..."
"Nein, ich meine doch nicht das Rasen, sondern den Rasen. Fußball ist das Stichwort."
"Achso, jetzt fällt der Groschen! Spielen die Deutschen heute Abend wieder?" fragte ich.
"Ja, im Achtelfinale, aber frag' mich nicht, gegen wen!"
"Nö, interessiert mich auch nicht."
Als wir am fünften Haus vorbeikamen, aus dem grünes Licht auf die Straße flackerte, stand zweifelsfrei fest: Das ganze Dorf sitzt vorm Fernseher und guckt Fußball.
"Na, dann hoffen wir mal, dass die Deutschen nicht so bald ausscheiden und bis ins Finale kommen, damit wir in nächster Zeit noch einige so schöne, friedliche Hundespaziergänge machen können. Am besten, wir besorgen uns einen Spielplan und stimmen die Spaziergänge darauf ab.

Sonntag, 29. Juni 2014

Rote Früchte und brauner Zucker

Gleich ist die Marmelade fertig und kann in Gläser abgefüllt werden. Im ande-
ren Topf köchelt derweil auf kleiner Flamme das Sago im Frucktsaft.
Während es draußen schüttete wie aus Kübeln, haben wir heute Nachmittag in der Küche Erdbeeren,  Johannisbeere, Jostabeeren und Süßkirschen – insgesamt zwei Kilo Früchte – aus unserem Garten zu Roter Grütze und Marmelade verarbeitet. Da wir kein Weißzucker mehr kaufen, aber auch nicht auf Zuckerersatz aus dem Chemielabor zurückgreifen wollten, haben wir sowohl die Rote Grütze als auch die Marmelade mit braunem Roh-Rohrzucker hergestellt. Im Gegensatz zum raffinierten Rübenzucker schmeckt der unraffinierte Rohrzucker nicht nur süß, sondern hat auch einen Eigengeschmack. Außerdem wird das Rot der Beeren und der Kirschen durch den dunklen Zucker noch kräftiger.

2 Kilo gemischte rote Gartenfrüchte ergaben vier Gläser und ein Schälchen Marmelade sowie reichlich Rote Grütze.

Samstag, 28. Juni 2014

Regen steht ihr gut


Noch klein wie eine Pflaume, aber schon schön rot.
Sie ist zwar erst so groß wie eine Pflaume und noch lange nicht reif, aber ich finde, dass sie doch schon zum Anbeißen lecker aussieht, oder? Das liegt zum einen an der roten Farbe, zum anderen an den Regentropfen. Tatsächlich fand ich die Birne bei Sonne als Fotomotiv überhaupt nicht attraktiv, aber der Regen steht ihr gut. Kein Wunder, dass in der professionellen Food-Fotografie Obst, Gemüse und Salate vor dem Shooting gerne mit Wasser besprüht werden, um besondere Frische zu suggerieren.
Während wir die Birne begehren, haben es die Raupen (zum Glück) auf die Blätter abgesehen und diese schon ganz schön angenagt. Aber der Baum wird das überstehen. Er hat schon viel Schlimmeres durchgemacht: Vor Jahren hatte unsere Ziege Paulinchen ihn dermaßen angefressen, dass außer dem dünnen Stämmchen nicht mehr viel von ihm übrigblieb. Seine Übelebenschancen waren so gering, dass wir schon davon ausgingen, dass er demnächst eingehen würde. Aber nein, er hat es überlebt. Und dass er jetzt sogar erstmals Früchte trägt, ist fast ein kleines Wunder.

Freitag, 27. Juni 2014

Die Zucchini-Saison beginnt

Sie sind noch lange nicht ausgewachsen und ausgereift, aber in dieser Größe schmecken die Zucchini am besten, und die Schale ist noch nicht kürbistypisch verholzt. Morgen wird geerntet.
Auch die Zucchiniblüten sind essbar.
Sie sind anspruchslos und somit bestens für alle geeignet, die mit dem Gärtner gerade erst begonnen haben. Zucchini sind vielleicht die beste "Erfindung", seit es Kürbisse gibt. Sie sind in der Küche so vielseitig verwendbar, dass ich sie wochenlang jeden Tag auf eine andere Art zubereiten könnte. Und sollte man irgendwann im Sommer keine Lust mehr auf Zucchini haben, macht das auch nichts. Zwar schmecken sie, wenn sie noch im Wachstum sind und etwa die Größe einer Banane haben, am besten, aber man kann sie auch immer weiter wachsen lassen. Ausgereifte Zucchini können bis zu fünf Kilogramm wiegen. Allerdings bilden sie mit zunehmender Größe ein holziges Gewebe unter der Schale gebildet. Durch das Verholzen der Schale wird aus dem Sommergemüse ein mehrere Monate haltbares Wintergemüse, dass sich ähnlich wir andere Kürbisse verarbeiten lässt.
Übrigens kann man auch die großen, gelben Blüten essen. Wenn man nur die männlichen erntet, wird der Zucchini-Ertrag dadurch auch gar nicht geschmälert.
Was werde ich zur feierlichen Eröffnung der Zucchini-Saison kochen? Ich musste gar nicht lange überlegen. Marion hat sich Zucchini-Puffer gewünscht, und die sind fast noch leckerer als Kartoffelpuffer (man kann auch Reibekuchen dazu sagen). Das Rezept gibt es in den nächsten Tagen hier an dieser Stelle.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Störche demnächst flügge

Ein Nest, so groß wie ein Whirlpool: Familie
Storch auf ihrem Schornstein.
Jeden Abend, wenn sie von der Arbeit nach Hause fährt, kommt Marion bei Ihnen vorbei und wirft einen Blick hoch zu ihrem Nest. Heute hat sie mal kurz angehalten und ein paar Fotos gemacht, denn die Jungstörche – zwei sind es definitiv, möglicherweise sogar drei – schlagen schon mit den Flügel. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass sie in wenigen Tagen das Nest verlassen werden. Nachdem in den vergangenen Wochen einige heftige Gewittergüsse über dem Nest niedergegangen sind, kann die Jungstörche jetzt wahrscheinlich nicht mehr so viel erschüttern, denn sie sind ja gewissermaßen mit allen Wassern gewaschen.
Links einer der Jungstörche, rechts
einer der Altvögel.
Obwohl Marion kein Teleobjektiv dabei hatte, kann man auf den Fotos deutlich einen der Jung- und einen der beiden Altstörche erkennen.
Wir wünschen der Familie Storch einen schönen Sommer und schon jetzt einen guten Flug, wenn es im Herbst nach Afrika geht!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Blühende Barriere vor der Haustür

Besucher müssen über sie hinwegsteigen: Die Kronen-Lichtnelken werden
nicht ausgerissen, auch wenn sie etwas im Weg stehen.
Jeder "normale" Mensch hätte kurzen Prozess gemacht und die Blumen achtlos ausgerissen. Auch wenn sie noch so schon blühen: In der Sandfuge zwischen den Gehwegplatten und den beiden Stufen zu unserer Haustür haben sie einfach nichts zu suchen. Aber zum einen sind ja nicht "normal" (und, nebenbei bemerkt, auch ganz froh darüber), zum anderen bringen wir es einfach nicht fertig, solch schönen Blumen den Garaus zu machen. Im Gegenteil: Wir bewundern sie sogar ein wenig dafür, dass sie es geschafft haben, an so einem denkbar ungeeigneten Standort wie der schmalen Sandfuge Fuß zu fassen und sich so prächtig zu entwickeln. So ein Leistung hat doch wohl unseren Respekt verdient, oder etwa nicht?
Außerdem handelt es sich um besondere Blumen:  Kronen-Lichtnelken (Silene coronaria). Die Kronen-Lichtnelke, auch Vexiernelke genannt, ist eine der ältesten Bauergarten-Blumen. Sie wird nachweislich schon seit 1410 kultiviert. Die Wildform ist in Südost-Europa und Kleinasien beheimatet. Sie ist aber auch im Himalaya anzutreffen.
Die blühende Barriere vor unserer Haustür bleibt also stehen. Wir hoffen nur, dass nicht irgendein Paketbote, der es eilig hat, aus Versehen die Blumen niedertrampelt.

Dienstag, 24. Juni 2014

Mittendrin im Maisfeld

Neun Jahre wohnen wir nun schon in diesem Ort auf unserem Hof, und wir waren uns ziemlich sicher, dass wir jeden Feld-, Wald- und Wiesenweg im näheren Umkreis kennen und schon mindestens einmal beim Hundespaziergang gegangen sind. Aber nein, es gab noch einen ungegangenen Weg. Seitdem ich ihn entdeckt habe, gehen wir ihn jetzt fast jeden Abend, denn es ist ein schöner Weg, der zwischen zwei Feldern in einem großen Bogen vom westlichen Ende des Dorfes ans nördliche führt.

Bald wird der Mais so hoch sein und so dicht stehen, dass ein Hindurchkommen nicht mehr möglich sein wird.
Die Entdeckung habe ich übrigens der Sonne zu verdanken. Am Sonnabend, dem Mittsommerabend war ich, weil ich vorher noch so viel Arbeit zu erledigen hatte, erst gegen 20:30 Uhr startklar zum Hundespaziergang. Die Sonne war schon im Begriff, hinter dem Horizont zu verschwinden. Ich war ein wenig traurig darüber, dass der längste Tag des Jahres fast schon wieder vorbei war, ohne dass ich so richtig davon etwas gehabt hatte. Wenn schon nicht die Sonnenstunden, dann wollte ich doch wenigstens die letzten Sonnenminuten ausgiebig genießen. Und so ging ich einfach der untergehenden Sonne entgegen – und stieß dabei zu fällig auf den unscheinbaren Feldweg. Der schien nach Westen hin anzusteigen. Prima, dachte ich, je höher ich komme, umso länger habe ich etwas von der Sonne. Und so ging ich einfach drauflos. Doch nach etwa einem Kilometer endete der Weg  abrupt – mitten im Maisfeld. Zum Glück gab es eine etwa einen Meter breite Gasse im Maisfeld. Die ging ich bis zu deren Ende. Jetzt trennte mich nur noch ein rund fünf Meter breiter, dich mit Mais bestandener Streifen vom nächsten Feldweg. Ich ging vorsichtig zwischen dem Mais hindurch, ohne eine einzige Pflanze zu beschädigen. In spätestens einem Monat wird das allerdings nicht mehr möglich sein. Dann wird der Mais so hoch und die einzelnen Pflanzen so kräftig sein, dass ich nicht einfach mehr über über sie hinwegsteigen oder mich zwischen ihnen hindurchzwängen kann, schon gar nicht mit Hund an der Leine. Aber egal, dann gehe ich den Weg erst wieder, wenn der Mais geerntet ist, alos im Oktober oder November. Macht ja nichts, es gibt ja genug andere Wege, und vielleicht entdecke ich gelegentlich mal wieder einen, den ich bislang übersehen habe.