| Die verwaiste Hyazinthe hat eine zweite Chance verdient. |
Was tun? Die Zwiebel, die schon ausgetrieben hat, ihrem Schicksal überlassen, wieder zurücklegen, wo sie lag, damit sie abends beim Durchfegen im Mülleimer landet oder still und heimlich vertrocknet? Die Verkäuferin fragen, wie viel eine verwaiste Hyazinthe kostet, die eigentlich im weihnachtlichen Dekokorb mit drei Exemplaren zum Preis von 2,99 Euro stecken müsste? Ich sehe die Schlange an der Kasse und sie genervt telefonieren – keine gute Idee. Ich lasse die Hyazinthe in meiner Manteltasche verschwinden, das ist natürlich nicht in Ordnung, auch den fauligsten Apfel dürfte man nicht einfach mitnehmen, selbst der Sperrmüll an der Straße gehört bis zum Abholtermin demjenigen, der ihn – wenn auch nur zur "Entsorgung" – hinausgestellt hat. Aber Hyazinthen sind lebendige Wesen, ich finde, da könnte Gnade vor Recht ergehen.
Zu Hause wird der kleine Findling sogleich eingetopft. Merkwürdig, obwohl – wie gesagt – schon ausgetrieben, hat die Zwiebel kaum Wurzeln gebildet, da ist etwas schief gelaufen, die Blätter fühlen sich zu weich an, eindeutig ein Zeichen von Trockenheit.
Nun, nach zwei Stunden im kühlen Schlafzimmer mit Erde und Wasser und einem Übertopf aus meinen reichen Beständen, scheint sich die kleine Pflanze zu erholen. Ich freue mich über den Zuwachs in meinem Zimmergarten, und die kleine Hyazinthe bekommt ihre zweite Chance.
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