Donnerstag, 7. Mai 2015

Braune Blätter schon im Mai?

Braune Blätter wie im Herbst. Aber welk wirkt das Buchenlaub dennoch nicht.
Die Blutbuche am Uelzener Ratsteich.
Oje, ist die Buche etwa am Absterben oder warum sind schon jetzt im Mai ihre Blätter braun? Anhaltende Trockenheit kann nicht die Ursache sein, denn in den vergangenen Tagen und Wochen hat es immer wieder zum Teil heftig geregnet. Außerdem steht der große Baum direkt am Wasser, nämlich am Ufer des Ratsteichs in Uelzen.
Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um eine Blutbuche, die sich durch ihre, je nach Lichteinfall rötlich bis bräunlichen Blätter von der bei uns am weitesten verbreiteten Buchenart, der Rotbuche, unterscheidet. Die Rotbuche hat übrigens, anders als es ihr Name vermuten lässt, grüne Blätter.
Bei der Blutbuche handelt es sich um eine Mutation der Rotbuche. Die Rotfärbung ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen, das normalerweise den roten Pflanzenfarbstoff in der äußeren Blattschicht abbaut. Daher ist bei den Blättern der Blutbuche die äußere Blattschicht nicht durchsichtig, sondern rötlich gefärbt, sodass das Blattgrün im Innern des Blattes nicht zu sehen ist.
Faszinierend finde ich, dass die Blätter der Blutbuche im Laufe des Sommers ihre rötliche Farbe verlieren und gewissermaßen ergrünen. Im Herbst sind die dann kaum noch von den Blättern der Rotbuche zu unterscheiden.
Ja, die Botanik ist durchaus faszinierend. Man muss sich nur etwas näher mit den Pflanzen beschäftigen ...

Mittwoch, 6. Mai 2015

Luftpost mit Grusel-Faktor

Was ist denn da angeflattert gekommen? Luftpost mit Grusel-Faktor.
Nanu, was liegt denn da hinten auf der Weide? Irgendetwas Oranges. Beim Näherkommen erkenne ich: Es handelt sich um einen leeren Sack. Den hat wohl der Wind vom benachbarten Acker zu uns herüber geweht. Ich hebe ihn auf, um ihn in die Altpapiertonne zu werfen. Auf den Weg dorthin lese ich die Aufschrift: Saatgut für "Hybridmais" war in dem Sack. Was auch sonst? Seit die Biogas-Anlagen wie die Pilze aus dem Boden geschossen sind, wird hierzulande so viel Mais angebaut wie nie zuvor – Artenvielfalt adé!
Ab in die Tonne mit dem blöden Sack! Ich will ihn gerade zusammenknüllen, da entdecke ich den weißen Aufkleber mit einer ganzen Liste von Warnhinweisen. Das Saatgut ist nämlich, wie in der konventionellen Landwirtschaft üblich, mit einem Fungizid behandelt worden – "gebeizt" nennt man das –, um es resistent gegen Schimmelpilzsporen zu machen. Laut Wikipedia werden in Deutschland jährlich etwa 10.000 Tonnen Fungizide verkauft und im Pflanzenschutz eingesetzt. Dies entspricht etwa einem Viertel der Gesamtmenge an Pflanzenschutzmitteln.
Fungizide haben zweifellos entscheidend dazu beigetragen, dass es weniger Ernteausfälle gibt, aber ob sie für Menschen und Tiere wirklich so harmlos sind, wie die Saatgut-Produzenten beteuern? Wenn man die Warnhinweise liest, kann man durchaus daran zweifeln.
Hier die Warnhinweise im Wortlaut:
"Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung und Schutzhandschuhe tragen. Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten. Bei der Arbeit nicht essen, trinken, rauchen, Staub nicht einatmen. Berührung mit der Haut vermeiden. Abfälle und Behälter müssen in gesicherter Weise beseitigt werden. Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder Etikett vorzeigen. Zur Vermeidung einer Kontamination der Umwelt geeigneten Behälter verwenden. Freisetzung in die Umwelt vermeiden. Besondere Anweisungen einholen/Sicherheitsdatenblatt zu Rate ziehen. Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen. Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen. Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Sävorgang entstehender Stäube vollständig in den Boden einbringen."
Wer die Warnhinweise liest, könnte denken, dass der Sack
kein Saatgut, sondern pures Gift enthielt.
Kursios finde ich, dass man das Saatgut nicht in die Umwelt "freisetzen", aber in der Erde verbuddeln darf. Ich habe von Chemie nicht viel Ahnung, aber wenn ich den Aufkleber ohne den Sack gefunden hätte, wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, dass sich die Warnhinweise auf Saatgut beziehen. Ich hätte vielmehr an einen üblen Gift-Cocktail gedacht, so etwas in der Art von Agent Orange, dem chemischen Entlaubungsmittel, das im Vietnam-Krieg zum Einsatz kam. Mir wird jedenfalls ganz mulmig zumute, wenn ich daran denke, dass derart behandeltes Saatgut nicht nur  beim Anbau nachwachsender Rohstoffe, sondern auch in der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion zum Einsatz kommt. Im Bio-Anbau sind Fungizide übrigens lediglich in Form von Kupferpräparaten erlaubt, aber auch deren Verwendung ist nicht unumstritten.

Dienstag, 5. Mai 2015

Landflucht: Die Urbanisierung der Bienen

Wir freuen uns über jede Biene, die den Weg zu uns in den Garten findet. Diese hier sitzt in einer Apfelblüte. 
Da sind wir aber froh, dass wir heute von dem Unwetter verschont geblieben sind! Das Sturmtief hat uns buchstäblich links liegen lassen und ist weiter nördlich übers Land gefegt und hat dabei schlimme Schäden angerichtet. Bei uns hat es zwar auch kräftig gestürmt und geschüttet, aber nach etwa einer Viertelstunde schien schon wieder die Sonne. Glück gehabt! Nachdem wir die Sturmwarnungen in der Wettervorhersage gesehen hatten, machten wir uns ernsthaft Sorgen um die Apfelblüte. Die Kirschblüte ist ja schon so gut wie vorbei, aber die Apfelblüte kommt jetzt gerade richtig in Gang. Es wäre doch jammerschade gewesen, wenn die Blüten vom Unwetter zerstört worden wären, denn das hätte bedeutet, dass wir im Herbst keine Äpfel würden ernten können.
Für eine gute Apfelernte unerlässlich sind auch die fleißigen Fliegetierchen, allen voran die Bienen, denn nur bestäubte Blüten bringen Früchte hervor. Wir freuen uns  aber nicht nur aus Eigennutz über jede Biene in unserem Garten, sondern auch weil sie inzwischen so selten sind, dass sie wahrscheinlich demnächst auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten kommen. Während sich in den großen Städten das Imkern erfreulicherweise zu einem richtigen Trend entwickelt hat, sterben im ländlichen Raum mit den alten Imkern – Nachwuchs gibt es kaum – auch die Honigbienen.
Marion hat sich früher einige Jahre lang selbst als Imkerin betätigt, und wir haben noch die gesamte Imkerausrüstung im Schuppen. Irgendwann war sie so frustriert, dass sie das Imkern aufgegeben hat. Wenn man nicht bereit ist, mit vollem Chemieeinsatz gegen das seuchenartige Bienensterben, für das vor allem die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe verantwortlich ist, anzukämpfen, hat man kaum eine Chance, zumal zu den Parasiten noch das auf dem Land immer schlechter werdende  Nahrungsangebot hinzukommt, dass die Bienen schwächt. Die Mais-Monokulturen, die das Futter für die unersättlichen Biogas-Anlagen liefern, taugen leider nicht als Bienenweiden. Zum Glück gibt es inzwischen in jedem Garten- und auch in fast jedem Supermarkt bienenfreundliche Blumensamenmischungen, die man nicht nur im eigenen Garten, sondern auch auf Brachflächen und an Weg- und Waldrändern ausstreuen sollte. Mit solchen Samenmischungen lässt sich auf einfache Weise Tausenden von Bienen das Überleben sichern – zwar nur für einen Sommer, aber immerhin! Es wird Zeit, dass die Guerilla-Gardening-Bewegung ihre Aktivitäten nicht nur auf die Städte beschränkt, sondern auch auf dem Land im wahrsten Sinne des Wortes "Feldzüge" unternimmt. In den Städten mit ihren vielen Gärten und Parks haben die Bienen inzwischen weitaus bessere Lebensbedinungen als auf dem Land. Dagegen müssen wir etwas tun!

Montag, 4. Mai 2015

Papagei plus Spinne

In unserem Innenhof haben wir jetzt mehrere farbenprächtige Papageien. So heißen nämlich die Pracht-Tulpen mit ihren bizarr geformten Blüten, die auf langen, kräftigen Stielen sitzen. Die genaue Bezeichnung dieser Tulpenzüchtung lautet Apricot Parrot, also Aprikosen-Papagei. Und wer genau hinschaut, sieht das kleine Spinnentier, das ziemlich einfarbig und unscheinbar und somit gut getarnt auf der Blüte sitzt, die alle Blicke auf sich zieht, während die Spinne kaum auffällt.

Apricot Parrot – eine wunderschöne Tulpe, die ein wenig aussieht wie ein exotischer Papagei.

Sonntag, 3. Mai 2015

Manchmal lohnt sich langes Warten

Bevor der Baum weiter in die Höhe schießt, muss ich mir die Blüten wenig-
stens einmal aus der Nähe betrachten.
Wenn der Zufall – oder war es eher ein Vogel? – mitgärtnert, dann stellt einen das manchmal vor Rätsel. Viel zu dicht am Haus und obendrein noch vor einem Fenster wächst seit Jahren ein unbekanntes Gewächs.
Das im Austrieb rötliche Laub sieht attraktiv aus, aber vergeblich warteten wir auf eine Blüte. Denn dass der geheimnisvolle Einwanderer irgendwann blühen würde, stand für mich fest. Stattdessen wurde der Strauch eher zum Baum, lugte schon über die Dachrinne. Einen Ast nahm ich ab, damit wenigstens wieder Licht durchs Fenster kommt, und irgendwann spielte ich mit dem Gedanken, alles wegzuschneiden.
Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Eine Zierkirsche ist bei uns eingewandert, hat jetzt, nach sechs oder sieben Jahren, zum ersten Mal sehr dunkelrosa geblüht. Eine schöne Überraschung, sie hat sich wirklich Zeit gelassen. Ein ganz ähnlicher Baum steht 200 Meter weiter entfernt im Dorf, wir gehen bei der Hunderunde fast täglich daran vorbei, aber die Ähnlichkeit war mir zuvor nie aufgefallen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass es sich nicht um einen Sämling der Zierkirsche Prunus serrulata "Kanzan" handelt, "wird mit zwölf Metern riesig" steht im Beschreibungstext dieser Sorte ...

Samstag, 2. Mai 2015

Eine neue Herde für Valentino

Am Nachmittag ist unsere kleine Skuddenherde noch auf Distanz zum traumatisierten Neuankömmling Valentino.
Manche Dinge sollten lieber nicht geschehen, und dann passieren sie doch. Deshalb ist jetzt Valentino bei uns, ein schnuckeliger Heidschnuckenhammel, der an einem Tag seine kleine vertraute Schafherde und seine Mutter in einem kleinen Dörfchen nicht allzu weit von uns verloren hat.
Ein Wolfsberater ist dort gewesen, DNA-Material wurde genommen, das Ergebnis der Proben steht noch aus, aber am Tag meinte jemand in der Nachbarschaft, einen Wolf auf der Straße laufen gesehen zu haben. Valentinos kleine Herde ist gerissen worden, ein Schaf musste aufgrund der Schwere seiner Verletzungen eingeschläfert werden. Zurück blieb der verstörte Hammel, dessen Besitzer sich hilfesuchend an uns wandten, in der Hoffnung, dass in unserer kleinen Skuddenherde oder bei Bekannten noch ein Platz frei ist für den handzahmen Hammel.
Lange haben wir nicht überlegt, dann haben wir zugesagt: Valentino darf kommen und wir hoffen, dass unsere "Mähmädchen" nett zu ihm sein werden. Waren sie nicht, jedenfalls nicht so richtig, versuchten Abstand zu dem neuen Weidegenosssen zu halten, aber gegen Abend rückten sie dann doch etwas enger zusammen, Valentino hat wieder gefressen und scheint selbst über etwas abweisende Schaffreundinnen froh zu sein.
Was passiert ist, ist schrecklich und sinnlos, das Raubtier hat nicht einmal eines der gerissenen Tiere weggeschleppt. Sie wurden einfach nur getötet. Das erinnert uns an das Massaker, das einst ein Marder in unserem Hühnerstall angerichtet hatte.
Auch wenn in diesem Fall der Beweis noch aussteht, mehren sich die Meldungen über Wolfsbeobachtungen in der Gegend. Es scheint, als müssten wir erst noch gegenseitig die Formen des Zusammenlebens lernen, die Wölfe - viele von ihnen wohl ohne Angst vor Menschen in Wildtiergehegen aufgewachsen und deshalb ohne Scheu - und wir, die Menschen, die mit mehr Aufwand und größerer Vorsicht ihre Haustiere und vielleicht sich selbst vor der neuen Gefahr schützen müssen. Jetzt nach Jägern und der Erlaubnis für den Abschuss der "Eindringlinge" zu rufen, ist einfach und naheliegend, in Ordnung ist es nicht, der Wolf hat die gleiche Berechtigung hier zu sein, wie wir.  Und Massentierhaltung und Megaschlachthäuser finden die meisten von uns ja auch völlig in Ordnung.

Aber schon am Abend ist Valentino in die Herde integriert.

Freitag, 1. Mai 2015

Der Mai ist gekommen . . .

Die meisten Bäume sind längst voll belaubt. Lediglich die Linde (Bildmitte) und die Eiche (links oben am Bildrand) beginnen erst jetzt, ihre Blätter zu entfalten. Aus der Ferne wirken sie noch kahl, aber bei näherer Betrachtung ist schon ein bisschen Grün zu erkennen.
"Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus" – so beginnt eines der bekanntesten Frühlingslieder. Emanuel Geibel hat den Text 1841 geschrieben, also lange, bevor der Klimawandel einsetzte. Der sorgt bekanntlich dafür, dass die Natur früher aus der Winterruhe erwacht. Heute würde Geibel wahrscheinlich "Der April ist gekommen, die Bäume schlagen aus" schrieben. Tatsächlich sind die meisten einheimischen Bäume schon seit Wochen belaubt. Lediglich die Eichen und die Linden lassen sich wie eh und je Zeit. Sie beginnen erst jetzt, ihre Blätter zu entfalten. Wer in dem Frühlingslied den Mai beibehalten möchte, singt einfach "der Mai ist gekommen, die Eichen schlagen aus" oder "Der Mai ist gekommen, die Linden schlagen aus". Man kann natürlich weiterhin auch den ursprünglichen Liedtext singen. Den Bäumen ist es egal, und auch der Klimawandel schert sich herzlich wenig um Liedtexte. Und möglicherweise bekommen wir ja doch irgendwann noch einmal einen richtig strengen Winter mit Schnee und Eis bis Ende März. Dann würden die Bäume wirklich erst im Mai ausschlagen, und der alte Liedtext würde wieder stimmen.