Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Neckarkönigin auf dem Weg zum Thron

Die Neckarkönigin windet sich um den Birkenast, der als Rankhilfe dient.
Zitat aus meinem Gartentagebuch: "Am Sonntag, 17. Mai, habe ich die Stangenbohne Neckarkönigin gelegt." Nachtrag drei Wochen später: "Das hätte ich mir auch sparen können."
Was war passiert? Es war einfach zu kalt gewesen, die Temperaturen gingen nachts regelmäßig auf vier, fünf Grad herunter. Als sich kein Keimling zeigte, stocherte ich nach und fand in der Erde nur noch weißen Schleim, der einmal ein Bohnenkorn gewesen war. Ein bisschen tröstete mich, als ich hörte, dass auch andere Gärtner "nachgelegt" hatten, weil die erste Saat verdorben war.
Umso schöner ist es jetzt, den neuen Neckarköniginnen beim Ranken zuzuschauen. Die ersten Triebe haben fast den First des Birkenstämmchengerüstes erreicht, eine Pflanze hat schlappgemacht, wurde beknabbert, aber ansonsten läuft jetzt alles wie von allein, seitdem es wärmer geworden ist.  Dabei hatte ich gelesen, dass die Bohnen eventuell zum Gerüst hingeleitet werden müssten. Unsere nicht, die haben ihren Weg allein gefunden. Nur nach Sturmtief Siegfried am Wochenende war noch einmal etwas Unterstützung gefragt.
Stangenbohnen haben wir um ersten Mal, wir sind jetzt gespannt darauf, wann sie anfangen zu blühen und zu fruchten.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Nächtliche Blütenpracht

Die geschlossenen Blüten der Nachtkerze sind geruchlos, aber sobald sie sich am Abend geöffnet haben, verströmen sie einen verführerischen Duft, der die Nachfalter anlockt.
Wenn die Sonne hinterm Horizont versinkt, beginnen sie sich zu entfalten: Die Blüten der Nachtkerzen in unserem Garten sehen nicht nur wunderschön aus, sondern duften auch so. Am nächsten Abend sind sie schon wieder verblüht, aber jeden Abend öffnen sich neue Blüten – den ganzen Sommer hindurch.
Das Faszinierende an der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) ist, dass sich das Öffnen der Blüten innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung vollzieht, sodass man dabei zugucken kann. Bei keiner anderen in Mitteleuropa vorkommenden Pflanze ist das so zu beobachten.

Dienstag, 7. Juli 2015

Die Sonne und der Sommer im Blumenbeet

Die erste Blüte der Kapuzinerkresse am Rand des Gemüsebeets.
Apricot, Cremeweiß, Rosarot, Grünlich – ich mag diese Farben, die sich eigentlich aus mehreren zusammensetzen, eine Pastellnote haben.
Aber schon seit Kindertagen ist meine eigentliche Lieblingsfarbe Orange. Ob es daran liegt, dass ich in den 1970er Jahren aufgewachsen bin oder einfach daran, dass das Orange eine so leuchtende und fröhliche Farbe ist – ich weiß es nicht. Selbstredend waren mein erstes Fahrrad, mein erster Tretroller und mein erster Schulranzen orange.
Und jetzt freue ich mich wieder wie ein Kind über dieses Leuchten inmitten von Grün: orange Ringelblumen, orange Taglilien und seit heute auch die erste orange Blüte der Kapuzinerkresse, deren dicke Samen ich überall an Beeträndern und in Blumentöpfen versenkt habe. Dazu öffnen die Kürbisse ihre (orangen) Blüten. Orange Dahlien haben wir natürlich auch, selbst wenn die bislang nur ihre grünen Knospen zeigen.
Aber es ist unübersehbar: Das Farbfeuerwerk beginnt zu glühen und wird nun bis zum ersten Frost anhalten.
Unser Blumensommer ist orange!

Die Ringelblumen haben sich überall im Garten selbst ausgesät.

Blütenpracht für einen Tag: Die Taglilienblüte rechts ist verblüht, die daneben öffnet sich morgen.



Montag, 6. Juli 2015

Umgeknickte Bäume

Auch diese schöne Birke ist ein Opfer von Sturmtief Siegfried. Der Baum ist in einer Höhe von etwa drei Metern abge-
knickt und auf den Radweg gefallen.
Die Straße ins Nachbardorf war heute wieder frei, aber auf dem Radweg lagen noch umgeknickte Bäume herum: Auf meiner täglichen Tour zur Post und zum Einkaufen ins Nachbardorf hatte ich heute einen kleinen Hindernisparcours zu bewältigen. Ich war ganz traurig, dass Sturmtief Siegfried so hässliche Lücken in die schöne Birkenallee gerissen hat.
Aber es hätte unsere Region noch schlimmer erwischen können. Nur 20 Kilometer weiter südlich hat der Sturm mit voller Wucht zugeschlagen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Als wir heute Abend in der Nachrichtensendung  "N3//Aktuell" die Bilder von den Sturmschäden sahen, waren wir froh, dass wir vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. Aber der nächste Sturm kommt ganz bestimmt. Die Extremwetterlagen infolge des Klimawandels können einem schon Angst machen. Hoffentlich kommen die Menschen endlich zu der Einsicht, dass wir den Kohlendioxidausstoß schnell drastisch reduzieren müssen, um Schlimmeres zu verhindern. Den Klimawandel können wir zwar nicht mehr rückgängig machen, aber zumindest könnten wir ihn in seiner weiteren Entwicklung etwas etwas bremsen.

Sonntag, 5. Juli 2015

Küche geflutet

Geschafft! Kurz vor Mitternacht war
die Küche wieder halbwegs trocken.
Gut, dass dieses Wochenende endlich vorbei ist! Erst die höllische Hitze, die jegliche Aktivität lähmte, und dann heute Abend das Unwetter, das unsere nach dem Brand gerade frisch renovierte Küche flutete. Stundenlang waren wir zu zweit mit Wischlappen und Eimer beschäftigt, die wieder halbegs trocken zu bekommen. Anschließend ging es im Hühnerstall weiter. Auch dort war "Land unter". In der Scheune bei den Pferden ebenso. Und mit dem Wasser kam eine Schlammlawine den Hügel hinab und begrub den Rasen unter sich. Zum Glück war der ja wegen der anhaltenden Trockenheit sowieso nur noch eine gelbe Steppe. Die Eichen haben auch ordentlich "Federn" gelassen. Überall liegen abgerissene Zweige herum. Das freut die Ziegen, die lieber Blätter fressen als zu grasen.
Da man es ja sowieso nicht ändern kann, muss man es positiv sehen. Das Positive an der Hitze: Die frisch gewaschene Wäsche, die ich zum Trocknen auf die Leine gehängt hatte, war schon nach einer Viertelstunde trocken, sodass ich sie wieder abnehmen konnte. Das Positive an der Überschwemmung: Wir haben mal wieder gründlich saubergemacht und dabei nicht mir Wischwasser gegeizt. Ob und welche Schäden die Küchendecke durch das Wasser davongetragen hat, können wir noch nicht sagen. Wir müssen einfach abwarten und hoffen, dass das Holz abtrocknet, bevor es aufquillt.
Wie konnte es zu der Überschwemmung kommen? Unser Dach ist doch neu und dicht. Nun ja, in einer Kehle, also dem Knick zwischen zwei rechtwinklich zueinander stehenden Dächern, hatte sich ein dicker Klumpen aus Tannennadeln festgesetzt. Das Wasser konnte nicht abfließen, staute sich und kroch so unter die Dachpfannen. Gleich nach dem Unwetter sind wir heute Abend aufs Dach geklettert und haben den Klumpen entfernt und bei der Gelegenheit gleich noch die Dachrinnen gereinigt. Hinterher ist man ja immer schlauer ...
Wir könnten jetzt natürlich noch ein paar Zeilen über den Klimawandel schreiben, der uns immer mehr Extremwetterlagen beschert, wollen uns aber heute Abend nicht noch aufregen, sondern und noch etwas erholen und uns noch ein wenig mit den Griechen freuen, die mehrheitlich den Mut gehabt haben, trotz ihrer schwierigen Lage beim heutigen Referendum mit "Nein" zu stimmen und damit ein Zeichen gesetzt haben für ein anderes Europa, in dem es nicht immer nur ums Geld geht, sondern um gelebte Solidarität. Eine schöne Utopie? Mag sein, aber eine, aus der sich neue Kraft und Hoffnung schöpfen lässt, und das können die Griechen, aber auch wir im Rest Europas, gerade gut gebrauchen.

Samstag, 4. Juli 2015

Hitze und Heuballen

Der zweite der beiden mit Heu beladenen Hänger 
wird in Position gebracht. Gleich kann das Abladen
beginnen.
Alle Jahre wieder ...
... kommt unsere sommerliche Heulieferung. 300 Ballen. Das ist die Hälfte des Jahresbedarfs für unsere vier Ponys, fünf Schafe und zwei Ziegen.
So ein sonniger Tag wie heute ist eigentlich perfekt, um Heu zu transportieren. Denn es darf auf keinen Fall nass werden, weil es dann zu schimmeln beginnt. Aber ganz so heiß hätte es nicht sein müssen. Zum Glück mussten wir diesmal nicht ganz so schwer arbeiten wie sonst. Normalerweise werfen wir jeden Heuballen einzeln in Kugelstoßermanier auf den Heuboden und stapeln die Ballen dann dort oben bis fast unters Scheunendach. Diesmal haben wir das Heu erstmals auf dem Boden über der Ferienwohnung eingelagert. Der Boden ist viel größer als der Heuboden, und so müssen wir dort das Heu noch nicht einmal halb so hoch stapeln wie in der Scheune. Bisher konnten wir den hoch gelegenen Dachboden allerdings nicht nutzen, weil wir keine Möglichkeit hatten, das Heu nach dort oben zu transportieren. Zum Werfen ist der Boden zu hoch, und die Dachluke nicht groß genug. Jeden Heuballen einzeln in die Hand nehmen und die Leiter hinauf tragen? Nein, das funktioniert auch nicht. Wir hätten in diesem Fall wahrscheinlich schon nach 50 Ballen schlapp gemacht.
Geschafft! Der letzte der 300 Heuballen
fährt auf dem Förderband nach oben.
Wie gut, dass wir uns vor einigen Tagen ein gebrauchtes Heuballen-Förderband gekauft haben! Die meisten Bauern haben inzwischen auf Großballen umgestellt, die beim Pressen weniger Arbeit machen, sicher aber nur mit Maschinenkraft bewegen lassen, und deshalb sind Heuballen-Förderbänder günstig zu bekommen. Da die meisten Pferdeleute nach wie vor lieber die kleinen Ballen haben wollen, pressen viele Bauern für den Eigenbedarf Großballen und für den Verkauf Kleinballen. So auch unser Heubauer. Wir hatten wirklich Mitleid mit ihm, denn während wir auf dem dunklen Dachboden standen, um die auf dem Förderband zu uns hinauf transportierten Ballen in Empfang zu nehmen und zu stapeln, stand er beim Abladen der Ballen mit der Heugabel vom Hänger in der prallen Sonne. Wir fürchteten fast, er würde kollabieren, besonders, als wir erfuhren, dass unsere Heulieferung schon seine dritte an diesem Tag war.
Das Förderband erwies sich als geniale Anschaffung. Brauchten wir früher einen ganzen Tag, um 300 Heuballen zu verstauen, waren wir diesmal nach rund zwei Stunden fertig – und trotz der Hitze nicht halb so erschöpft wie sonst.

Freitag, 3. Juli 2015

Keine Lust auf ein Sonnenbad

"Bei diesem Wetter jagt man doch keinen Hund vor die Tür!" Wer sich dieser altbekannten Redensart bedient, bringt damit in der Regel zum Ausdruck, dass es draußen zu nass oder zu kalt ist und man es deshalb vorzieht, daheim im Trockenen und Warmen zu bleiben. Im Sommer wird von dieser Redensart eher selten Gebrauch gemacht, obwohl es gerade bei solcher Hitze, wie wir sie auch heute wieder hatten, durchaus berechtigt wäre. Unsere lieben Hunde liegen gerne auf dem Rasen und sonnen sich. Heute aber wollten sie nur schnell wieder zurück ins Haus, hatten nicht die geringste Lust auf ein Sonnenbad. Gut, dass wir auf dem Hof auch einige schattige Plätzchen haben.
 
Bloß nicht auf den Rasen, in die pralle Sonne! Auf dem Feldsteinpflaster vor dem Dielen-
eingang ließ es sich heute noch halbwegs aushalten.