Samstag, 31. Januar 2015

Das Wunder aus der Wüste

Ein wenig Wasser genügt, um die staubtrockene Wüsten-
pflanze wieder ergrünen zu lassen.
Unsere neue Hausgenossin ist ein ziemlich spröder Typ, dröge, um nicht zu sagen staubtrocken: eine Rose von Jericho (Selaginella lepydophylla), eine Tochter der Wüste mit sagenumwobenen Kräften. Da man sie beliebig oft zu neuen Leben erwecken kann, wurde sie auch Auferstehungspflanze genannt und erhielt von Maria höchstpersönlich ihren Segen. Israel und Jordanien ist ihre Heimat, von wo sie schon von Kreuzrittern, später auch von Pilgern und Wallfahrern, die ins Heilige Land zogen, zurück nach Europa gebracht worden ist.
Wochen, ja Monate kann sie in einer Trockenstarre verbringen, kommt Regen, dann blüht sie zwar nicht einer Rose gleich, wird aber angeblich tiefgrün. Ich habe noch nie davon gehört, aber  diese Pflanze soll früher einem Schatz gleich in Bauernfamilien von Generation zu Generation weitergegeben worden sein, wurde zu den hohen christlichen Feiertagen, also zu Weihnachten und Ostern, zum Ergrünen gebracht, um danach wieder im Schrank zu verschwinden. Denn es hieß, in dem Haus, in dem eine Rose von Jericho aufbewahrt würde, Glück und Segen herrschen. Ihre Nähe sorgt zudem für erholsamen Schlaf. Ungeziefer vertreibt sie auch und im grünen Zustand dient sie als Luftverbesserer. Ihr Sud und sogar ihre bloße Anwesenheit versprechen darüber hinaus eine leichte Geburt und heilende Kräfte bei Krankheiten.
Heute Abend haben wir ihr etwas zu trinken gegegben, innerhalb von acht Stunden soll sie nun zum Leben erwachen. Wir sind gespannt.
Der auf der Packung angegebene lateinische Name legt leider nahe, dass wir es ohnehin nicht mit einem "Wunder", oder gar einer Rose von Jericho, sondern mit dem "Plagiat" aus Amerika, nämlich dem Schuppenblättrigen Moosfarn zu tun haben. Die Beschreibung der Unechten Rose von Jericho fällt ziemlich ernüchternd aus. Wenn überhaupt, könne man sie ein Mal zum Neuergrünen bringen, danach entfaltet sie sich zwar auch noch, dies aber eher aus Gewohnheit und den physikalischen Gesetzen geschuldet, als einem wirklichen Prozess der Wiedererweckung. Schade, dass wird dann wohl nichts mit der segenbringenden Zauberkraft ...


Freitag, 30. Januar 2015

Vegane Möhrencremesuppe – süß und scharf zugleich

Ein wunderbares Essen, das an so einem nasskalten 
Wintertag wie heute den Magen und das Herz gleicher-
maßen erwärmt.
So ein mieses Matschwetter! Während es fast überall sonst im Land zu schneien scheint, regnet es hier, wie schon so oft in diesem Winter. Da tut es gut, sich abends innerlich zu erwärmen. Nein, ich meine nicht mit Alkohol! Es geht auch anders. Man denke nur an die alte Werbung eines Fertigsuppen-Herstellers: "Etwas Warmes braucht der Mensch!" Ja, das stimmt, aber bitte keine Fertigsuppe aus der Dose oder, was noch schlimmer ist, als Pulver aus der Tüte!
Eine wunderbare, den Magen und das Herz erwärmende Suppe, ist schnell schnell und einfach selbst hergestellt. Da ich möglichst auf das zurückgreife, was als Bio-Gemüse gerade frisch erhältlich ist, kaufe ich zurzeit oft Möhren. Und da liegt es nahe, eine leckere, selbstverständlich vegane Möhren-Cremesuppe zu kochen. Hier ist das Rezept:

Zutaten (für zwei große Portionen)
• 1 kg Bio-Möhren
• 1 Bio-Orange
• 1 Dose Kokosmilch
• 1 etwa 1 cm breite Scheibe frischen Ingwer
• 1 gestrichener Teelöffel Cayenne-Pfeffer
• 1/2 Teelöffel Salz
• Petersilie zum Dekorieren

Zubereitung
Die Möhren putzen und in Scheiben schneiden. Mit einem Glas Wasser in einen Kochtopf geben und mit geschlossenem Deckel ca. 15 Minuten kochen lassen, bis die Möhren weich sind. Das Kochwasser abgießen. Die Möhren mit dem Pürierstab, im Standmixer oder in einer Passiermühle pürieren und das Püree zurück in den Kochtopf füllen. Jetzt die Kokosmilch und die ebenfalls pürierte Orange – ich lasse das Pürieren meinen Standmixer erledigen – dazugeben und die Suppe unter Rühren erhitzen. Sie soll nur warm werden, aber nicht kochen. Mit Salz und Cayennepfeffer würzen. Der rote Cayennepfeffer verstärkt wunderbar die orange Farbe der Möhren. Zum Schluss kommt der Ingwer dazu. Ich presse den geschälten Ingwer durch eine Knoblauchpresse, die ich ausschließlich für Ingwer angeschafft habe. Der Ingwer und der Cayennepfeffer bringen Schärfe in die dank der Möhren und der Kokosmilch eher süße Suppe.
Die Suppe in vorgewärmten Schalen servieren und mit Petersilie dekorieren. Dazu passt rustikales Bauernbaguette aus dem Steinbackofen.
Die Suppe schmeckt vorne auf der Zunge zunächst süß und entfaltet dann hinten auf der Zunge ihre recht intensive Schärfe.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Veganer Vollkornkuchen mit Rum-Rosinen

Ist der Teig fertig gerührt, werden die Rum-Rosinen unter-
gehoben.
Wenn am Wochenende spontan Gäste vor der Tür stehen, möchte man ihnen zum Kaffee gerne auch ein Stück Kuchen (oder auch zwei oder drei Stücke) anbieten. Dieser Kuchen ist in nur fünf Minuten fix und fertig aus Zutaten zusammengerührt, die man eigentlich meist sowieso im Haus hat. Nach etwa einer halben Stunde im Ofen und zehn Minuten Abkühlzeit kann er aus der Form genommen und serviert werden.
Hier ist das Rezept, das ich in einem Vegan-Blog gefunden und abgewandelt haben. 


Zutaten
• 250 frisch gemahlenes Vollkornmehl (Weizen oder Dinkel, wenn ein etwas nussiger Geschmack gewünscht ist) 
Eine Silikon-Backform muss nicht gefettet werden. 
• 250 g Rohrohrzucker (ich verwende ihn lieber als den in der Vollkornküche beliebten Agavendicksaft, der ein ähnlich stark verarbeitetes Industrieprodukt ist wie Weißzucker)
• 1 Tütchen Backpulver
• frisch gemahlene Bourbon-Vanille oder alternativ ein Tütchen Bio-Vanillezucker
• 1 Prise Salz
• 1/4 Liter Hafermilch
• 115 ml Rapsöl
• 150 g Bio-Rosinen
• 3 Esslöffel Rum
• etwas Margarine zum Einfetten und etwas Paniermehl zum Ausstreuen der Backform

Zubereitung
Zunächst die Rosinen in einem Schälchen mit dem Rum tränken. Keine Angst, der Alkohol verfliegt beim Backen, nicht jedoch das Aroma. Das Mehl uns alle weiteren trockenen Zutaten in eine Rührschüssel geben und vermengen. Dann die Hafermilch und das Öl dazugeben und mit der Küchenmaschine oder dem Handrührgerät zu einem recht flüssigen Teig verrühren. Zum Schluss die Rum-Rosinen unterheben. 
Eine längliche Kastenform (z. B. Kaiserkuchenform) fetten und mit Paniermehl ausstreuen (entfällt bei Verwendung einer Silikon-Backform), den Teig einfüllen und die Kuchenform für etwa eine halbe Stunde bei 175 Grad (Ober- und Unterhitze) in den Backofen stellen. Mit einem Holzstäbchen die Garprobe machen. Wenn kein Teig mehr am Holz haften bleibt, ist der Kuchen fertig und kann aus dem Ofen genommen werden. Sobald er abgekühlt ist, ihn aus der Form stürzen, aufschneiden und dann guten Appetit!

Oft sind Vollkornkuchen schwer und trocken. Dieser ist jedoch dank der Rum-Rosinen sehr saftig.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Vorgelesen ist fast wie selbst gelesen

Interessantes teilen, das geht nicht nur bei Facebook und Co., sondern auch ganz klassisch zu Hause am Esstisch.
Ganz ohne bewusstes Zutun haben wir ein altes Ritual wiederbelebt: Wir lesen uns gegenseitig etwas vor. Aus unerfindlichen Gründen hatten wir in der Zwischenzeit davon abgelassen und jede für sich vor sich hingebrütet, um dann in die Diskussion einzusteigen.
Jetzt lassen wir uns gegenseitig an den Zwischenschritten teilhaben: Kluge Gedanken, spitzzüngige Kolumnen, nachdenkenswerte Kommentare, weitsichtige Philosophie, politische Analysen, wortgewaltiges Feuilleton –  wir versorgen uns gegenseitig mit dem Extrakt aus dem, was wir selbst als interessant, provokant oder einfach nur schön geschrieben befinden. Ein Satz gibt den nächsten, gemeinsam diskutieren und denken wir – sind nicht immer einer Meinung, bewerten, verwerfen, aber sind in jedem Fall gern bereit, vom anderen zu lernen oder ihn zu verstehen. Unser Küchen- oder Wohnzimmertisch wird gefühlt zum bescheidenen Mittelpunkt jener "Salons", die im vorangegangenen Jahrhunderten die Ideen- und Kreativschmieden einer unerreichten Bohème waren.
Warum es uns in jüngster Zeit so wichtig geworden ist zu lesen, zu denken, zu diskutieren; ich weiß es nicht, aber es macht ungeheuren Spaß. Vielleicht befinden wir uns mitten in der viel beschworenen Midlife-Crisis, zu deren Charakter die Neigung zu Grübeleien gehört. Wie auch immer, effektiv sind unsere Vorlesestunden allemal, weil wir so eine liebevoll zusammengestellte Kurzfassung inmitten der Bücher- und Informationsflut vom jeweils anderen serviert bekommen.
Inka? Wo bist Du denn? Ich habe da gerade noch einen interessanten Absatz im "kleinen Alltags-Buddhist" gefunden, den ich dir gern vorlesen würde ...

Dienstag, 27. Januar 2015

Die Birke und die Heide

Typisch für die Heide: Birken als Straßenbäume. Bei 
Sonnenschein und blauem Himmel leuchtet das Weiß
ihrer Stämme besonders intensiv.
Wenn man, wie ich, meistens mit dem Fahrrad unterwegs ist, rauscht man nicht achtlos an allem vorbei, sondern nimmt vieles wahr, was Autofahrer aufgrund der höheren Geschwindigkeit übersehen. Heute zum Beispiel habe ich die Birken bewundert, mit denen der fünf Kilometer lange Straßenabschnitt zwischen unserem Dorf und dem größeren Nachbardorf, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt, gesäumt ist. Im Sonnenlicht – ich freue mich in diesem Winter über jede Stunde, die wir es genießen dürfen – und vor dem strahlend blauen Himmel leuchteten die weißen Stämme der Bäume besonders intensiv.
Wie schön, dachte ich, dass an dieser Straße die Birken stehen geblieben sind. An vielen anderen Straßen wurden sie abgeholzt, standen meistens einer geplanten Fahrbahnverbreiterung im Weg. Dabei sollte die Birke den Menschen hier in der Heide doch eigentlich "heilig" sein, gehören sie doch zum typischen Landschaftsbild der Heide – sowohl an Wegrändern als auch als markante Baumgruppen inmitten der Heideflächen. Überwiegend handelt es sich dabei um die Sand- oder Hängebirke, die ihren lateinischen Namen Betula pendula wegen ihrer langen, peitschenartigen Zweige erhielt, die man früher zum Binden von Besen benutzte.
Der Journalist, Schriftsteller und Naturschützer Hermann Löns, der durch sein Wirken der zuvor als öde und unwirtlich geltenden Lüneburger Heide zu einem besseren Image verhalf, wetterte schon im Jahr 1911 im Rahmen eines Vortrags gegen die Abholzung der Birken und die Naturzerstörung:
"Warum macht denn der Staat nicht aus den öden Eisenbahndämmen Vogelschutzgehölze? Warum pflanzt er nicht überall Hecken und Büsche auf seinem Ödland an? Warum verhindert er nicht, dass bei Bassum und Gr. Oesingen in der Heide die alten herrlichen Birken an den Landstraßen abgehauen werden? Warum sorgt er nicht für ein Reichsgesetz gegen die Blechpest und die Plakatseuche? Warum sind gerade die fiskalischen Bauten solche Schandflecke in der Landschaft? ..."
Eine alte Birke und viel (unerwünschter) Birkenaufwuchs inmitten einer blühenden Heidefläche im Spätsommer.
So schön die alten Birken in der Heide und entlang den Landstraßen auch sind, in den Heideflächen sollen sie sich nicht unbedingt vermehren, denn die Birken würden die Heide verdrängen. In früheren Zeiten hielten die Heidschnucken – so heißen die in der Heide heimischen, robusten Schafe mit den schwarzen Köpfen – den Birkenaufwuchs im Zaum. Heute, das es in der Heide nur noch wenige Heidschnuckenherden gibt, übernehmen meist Menschen die Aufgabe, die Heide von jungen Birken zu befreien – "entkusseln" wird diese mühsame Arbeit genannt.

Montag, 26. Januar 2015

Frühsport fürs Frühstück

Drei Küchengeräte mit Kurbeln, die vor dem Frühstück zum Einsatz kommen (von links): Flockenquetsche, Kaffeemühle
und Brotschneidemaschine.
Wenn ich Gallierin wäre, würde ich wahrscheinlich Kurbe-
lix heißen.
Heute ist es mir erstmals bewusst geworden: Ich habe offenbar eine besondere Affinität zu Kurbeln. Wenn ich meine drei Kurbeln im Fahrradabstellraum und meine drei Kurbeln in der Küche zusammenzähle, komme ich immerhin auf ein halbes Dutzend Kurbeln.
Während die Kurbeln in den Fahrrädern buchstäblich mit Füßen getreten werden, ist das Kurbeln in der Küche reine Handarbeit.
Meine neue, manuelle Kaffeemühle, ich ich seit Weihnachten im Einsatz habe, ist an dieser Stelle ja bereits ausführlich vorgestellt worden. Bevor morgens die Kaffeemühle zum Einsatz kommt, werden die beiden anderen Kurbeln bedient: Zunächst die der Flockenquetsche, mit der ich aus dem vollen Korn mit Muskelkraft frische Haferflocken produziere, und dann die Kurbel der Brotschneidemaschine, mit der ich mir von meinem, am Abend zuvor selbstgebackenen Vollkornbrot ein paar Scheiben abschneide.
Ja, das Kurbeln ist ganz schön anstrengend, aber es ist ein gutes Gefühl, sich sein Frühstück mit etwas Frühsport verdient zu haben. Dann muss man auch nicht so ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich noch eine weitere Scheibe Brot abschneidet, weil es so gut schmeckt.
Die Espressomaschine und der Mixer (für meinen allmorgendlichen grünen Smoothie) werden übrigens elektrisch betrieben, und darüber bin ich auch gar nicht traurig. Aber ergänzend zu der elektrischen Getreidemühle, mit der ich das Getreide fürs Frischkornmüsli mahle, könnte ich mir natürlich noch eine kleine Handmühle anschaffen. Dann hätte ich in der Küche schon vier Kurbeln zu betätigen. Aber man soll es ja mit dem Frühsport auch nicht übertreiben ...

Sonntag, 25. Januar 2015

Nass, kalt und dann auch noch ein Kurzer

Trotz des miesen Wetters gute Laune (von rechts): Livia, Marion und Inka mit den Hunden.
Wenn Regen und Kälte zusammenkommen, dann wird es richtig ungemütlich! Auf unserer Sonntagstour mit den Hunden, auf der wir heute von unserer Freundin Livia aus der Schweiz begleitet wurden, haben wir zuweilen schon ziemlich gefröstelt. Nicht nur wir freuten uns nach 14 Kilometern  auf den noch warmen Ofen in der Küche, sondern auch die Hunde – sichtlich angewidert vom nasskalten Winterwetter – waren froh, sich aufwärmen zu können.
Eigentlich hatten wir uns auf frisch gebackene Dinkelwaffeln gefreut, aber dann gab es einen Kurzschluss, die Sicherung flog raus, und das Heizelement im Oberteil des Waffeleisens war kaputt.  Wir versuchten, den Teig im Donut-Maker zu backen, aber das funktionierte nicht richtig, der Teig war für den Donut-Maker zu feucht. Livia schlug vor, es mit Kaiserschmarrn aus der Pfanne zu versuchen. Der Teig hatte zwar auch dafür nicht so ganz die richtige Konsistenz, aber beim zweiten Versuch klappte es dann doch noch halbwegs. Das Ergebnis war allerdings etwas krümelig, und wir beschlossen kurzerhand, den verunglückten Kaiserschmarrn als süsses Topping für unser Frischkornmüsli morgen früh zu verwenden.
Trotz des miesen Wetters und des Back-Desasters war es aber doch ein schöner Sonntag.