Freitag, 7. März 2014

Ich könnte das nicht...

Wie kann man nur solche wunderbaren Lebewesen essen?
Was soll ich sagen? Ist es Ekel, Unverständnis, vielleicht sogar Bewunderung? Von allem etwas. Die Reportage "Mein Schweinchen namens Dinner — Öko-Ferkel per Internet" heute Abend auf N3 im Fernsehen hat mich etwas verstört zurückgelassen. Eine Familie aus Hamburg "bucht" sich tatsächlich ihr Schwein zum Essen, sucht es bei einem persönlichen Besuch bei dem Bio-Bauern aus, wird mit Fotos über dessen Werdegang auf dem Laufenden gehalten, kommt zwischendurch und am Ende nach sieben Monaten sogar zum Schlachttermin. Die Wurst im Glas hat ein  Etikett mit einem Porträt "ihres" Schweins auf dem Glas, und der kleine Junge der Familie sagt bei der gemeinsamen Verkostung des Schnitzels "lecker". Ich bin ernstlich entsetzt über so viel Kaltblütigkeit, während die Mutter der Familie, die absolute Transparenz der Haltung und Schlachtung lobt und sagt, dass die ihr wichtig ist, wenn man denn Fleisch essen will.
Bei allem Unverständnis (ich hätte gedacht, dass die Familie "ihr" Schwein vor dem Schlachter rettet) bin ich irgendwie auch beeindruckt: Die wenigsten Fleischesser lassen sich so direkt auf "ihr" Tier, seine Belange und auf ihr Ende ein. Für mich ist es unter normalen Bedingungen, also, wenn es nicht ums nackte Überleben geht, undenkbar, jemals wieder ein Tier zu essen. Aber ich finde es dennoch respektabel, wenn Menschen zu ihrem Fleischkonsum stehen, keine anonyme Supermarktware aus dem Regal in ihren Einkaufswagen häufen und sich ernsthaft mit der Haltung der Tiere und ihrem Tod beschäftigen. Wenn sie danach noch in der Lage sind, dass Fleisch zu essen, das vorher ein lebendiges Tier war, bin ich wieder verwirrt, das kann ich nicht nachvollziehen. Aber das ist allemal konsequenter als die zu oft gehörten Rechtfertigungen, "fast nie" Fleisch zu essen (Wurst wird sowieso nie mitgezählt) oder auf Bio-Fleisch umzuschwenken, als wäre damit nicht der Tod eines Tieres verbunden.
Meine Meinung: Wer Fleisch isst, muss sich der Entscheidung über Leben und Tod stellen, wie die Familie in der Reportage oder aber seinen Jagdschein machen. Beides hat noch seine Unzulänglichkeit, denn sowohl die Tiere beim (Bio-)Bauern als auch die jagdbaren Tiere werden gezielt und im Überfluss gefüttert und damit oder durch undurchdringliche Zäune an den Menschen gebunden und ihm ausgeliefert. Mit einer Chancengleichheit, mit einer Achtung vor dem Leben und einer Begegnung auf Augenhöhe hat das für mich nichts  zu tun.

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