Samstag, 1. Februar 2014

Schöne Blüten – schlechtes Gewissen

Der Januar ist vorbei. Höchste Zeit also, dass die letzten Frühlingsblüher ver-
kauft werden, damit in den Regaken Platz geschaffen wird für die Sommer-
blumen.
Heute im Supermarkt haben wir die ersten Schokoladen- und Marzipan-Ostereier entdeckt (nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir gerade den 1. Februar haben). Aber daran, dass der Handel der Jahreszeit stets um Wochen und Monate voraus ist, habe ich mich schon gewöhnt.
Dann erlebte aber auch ich noch eine echte Überraschung: Primeln, die Frühjahrsblüher schlechthin, wurden schon wieder – kaum dass sie viel zu früh im Verkauf gelandet waren – zum Supersonderpreis palettenweise herausgeramscht. Fürchterlich, aber ich kann an den Pflanzen nicht einfach vorbeigehen, obwohl sämtliche Vernunft versucht, mich zu bremsen. Warum diese Verschwendung an Leben und Ressourcen unterstützen, indem ich die Menge der zu entsorgenden Pflanzen noch dezimiere? Statt den Handel mit seiner Fehlkalkulation sitzenzulassen, muss ich wieder zugreifen. Die Pflänzchen sind für die Kurzzeitpracht gezüchtet, trotzdem habe ich schon etliche durchgebracht, im Garten habe ich ein Plätzchen, wohin ich die ganzen kleinen Primeln setze. Einige blühen schon seit Jahren immer wieder, manchmal nur mit ein, zwei Blüten, aber dann bin ich doch wieder froh, dass ich sie mitgenommen habe. Ihre ersten Blüten sind einfach ein Geschenk, allem Kommerz zum Trotz.
Eigentlich sollte ich, aber ich kann nicht widerstehen...
Dennoch ist die Pflanzenzucht für den Massenbedarf, für Sträuße, Zimmergrün und Balkonkästen insgesamt höchst bedenklich. Im Sommer wird es viel leichter sein, der Versuchung zu widerstehen, weil dann ohnehin alles wächst. Außerdem sehen die Geranien des vergangenen und des Jahres davor, die ich vor dem Frost hereingeholt habe, bislang gut aus, ansonsten werde ich zur Samentüte greifen. Ich glaube, dass das allemal der bessere Weg ist.
Aber erst einmal muss ich mich jetzt bemühen, dass die Primeln nicht eingehen wie dieselben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen