Freitag, 2. Januar 2015

Letzte Gelegenheit genutzt

Zu guter Letzt doch noch ein wenig weihnachtliche Atmosphäre. 
Von der Weihnachtszeit habe ich diesmal wegen der vielen Arbeit kaum etwas mitbekommen. Ich war auf keinem Weihnachtsmarkt, und da wir uns an der Geschenkeschlacht nicht beteiligen, musste ich auch nicht durch weihnachtlich beleuchtete Innenstädte hasten. Bevor die Weihnachtsbeleuchtung demontiert wird und die Tannenbäume auf den Kompost landen, haben wir heute gewissermaßen die letzte Gelegenheit genutzt, um noch etwas weihnachtliche Atmosphäre zu spüren. Wir waren in Lüneburg, um im historischen Ambiente der alten Hansestadt einen kleinen Stadtbummel zu machen. Aber irgendwie war es diesmal nicht so schön wie sonst, und das lag nicht nur an meiner Winterdepression, die mich besonders heftig erwischt hat, sondern auch am Wetter. Es stürmte und regnete, und es war kalt und ungemütlich. Und dann waren wir in einem eigentlich sehr schönen, angesagten und deshalb entsprechend gut besuchten Café, das auch einiges Veganes auf der Karte hatte. Marion bestellte das vegane Rührei-Frühstück, und ich nahm, da ich eine Soja-Unverträglichkeit habe und somit kein Rührei auf Tofu-Basis vertrage, das vegane Pfannkuchen-Frühstück. Beide Frühstücksgerichte schmeckten nicht schlecht, der Pfannkuchen war allerdings auf der Unterseite etwas fettig. Aber das störte mich weniger als die Kuhmilch, die uns zum Bio-Kaffee in einem Porzellankännchen serviert wurde. Wir trinken den Kaffee sowieso schwarz, also war es kein Drama, aber mich ärgert es schon, wenn die Bedienung ungefragt Milch auf den Tisch stellt, zumal man zusammen mit dem Kaffee zwei vegane Frühstücksgerichte bestellt hat. Als uns die nette Bedienung nach dem Frühstück die Rechnung brachte, zeigte ich auf das Milchkännchen und erkundigte mich freundlich, was das für Milch sei. "Äh, ganz normale, wieso?" entgegnete die Bedienung etwas irritiert. "Naja", sagte ich, "es ist vielleicht nicht so eine gute Idee, Veganern zum veganen Frühstück Kuhmilch zu bringen." "Ach so", sagte die Bedienung, "dann hätte ich ihnen wohl lieber Sojamilch bringen sollen ...". "Nein, bloß nicht, Sojamilch ist ja eklig und außerdem für viele Menschen, auch für mich, unverträglich. Wenn schon Milch, dann bitte Hafermilch oder Mandelmilch! Aber noch lieber wäre es uns, wenn Sie vorher fragen würden, ob überhaupt Milch zum Kaffee gewünscht wird. Uns tut es nämlich in der Seele weh, dass die Milch, deren Erzeugung mit Tierleid verbunden war, jetzt weggekippt werden muss." "Ich verstehe", sagte die Bedienung, "eine gute Anregung, die ich gleich der Chefin weitergeben werde." Wir bedankten uns und gaben trotz der Milch-Panne ein großzügiges Trinkgeld.
Uns war der Besuch in dem Café, das mit den Attributen biologisch und nachhaltig wirbt, wieder eine Lehre. Gelernt haben wir, dass es vegane Cafés gibt und solche, die auf den Vegan-Trend reagiert und ihre Speisekarte entsprechend erweitert haben.
Der Stadtbummel nach dem Frühstück war ein lustloser Streifzug durch den Sale-Schilderwald. Der Winter wurde gewissermaßen herausgeramscht – noch nicht einmal zwei Wochen nachdem er begonnen hat. Außer ein paar Lebensmitteln haben wir nichts gekauft.
Dennoch hatte der Stadtbummel etwas Gutes: Für die nächsten Monate können wir gut darauf verzichten, ohne dass Gefühl zu haben, dass uns etwas fehlt.

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