Freitag, 2. Oktober 2015

King Edward an Bord

Wir lieben mehlig kochende Kartoffeln, aber dummerweise bevorzugen die Norddeutschen fest kochende Kartoffeln, und daher sind gute mehlig kochende Sorten bei uns zuhause nur schwer zu bekommen. Dort gelten schon vorwiegend fest kochende Kartoffeln als mehlig. In vielen kleineren Lebensmittelläden sind mehlig kochende Kartoffeln überhaupt nicht zu bekommen. Die einzige annähernd mehlig kochende Sorte, die wir bislang in zwei Märkten ausfindig gemacht haben, ist die Lilly.
Hier in Schweden ist es ganz anders: Hier bevorzugt man traditionell mehlig kochende Kartoffeln, aber nicht irgendwelche, sondern eine ganz bestimmte Sorte; King Edward, leicht zu erkennen an der gelben Schale mit der charakteristischen roten Maserung der Augen. Anhand des Namens kann man schon erahnen, woher diese Kartoffelsorte kommt: In England steht sie seit mehr als 100 Jahren am Markt und nach wie vor sehr beliebt.
In Schweden wird mit diesem Kartoffelklassiker vor allem das allseits beliebte King Edward mos zubereitet. Dieses leckere Kartoffelpüree wird zu allen möglichen Gerichten serviert. Sogar an Imbissbuden ist es erhältlich, wird dort vorzugsweise mit Bratwurst, Ketchup und Röstzwiebeln verlangt – aus der Sicht eines King-Edward-Gourmets ein Frevel.
Wir essen King-Edward-Kartoffeln am liebsten gekocht und klein gewürfelt zu Gemüsepfannen. Mit einer Kochzeit von weniger als zehn Minuten sind solche Kartoffelwürfel sehr energiesparend gar zu bekommen.

Auf dem Erntemarkt wurden heute alte Erntenaschinen vorgeführt.

Damit wir nicht nur in Schweden, sondern auch zuhause in Norddeutschland in den Genuss unserer geliebten KIng-Edward-Kartoffeln kommen, haben wir heute auf dem Erntemarkt im Hauptort unserer Kommune, einen 25-Kilo-Sack gekauft. Mit King Edward an Bord unseres Pickups werden wir morgen die Heimreise antreten.
Der Besuch des alljährlichen Erntemarktes lohnt sich aber nicht nur wegen der Kartoffeln, sondern auch wegen der vielen anderen landwirtschaftlichen Produkte aus regionaler Erzeugung, die hier in großen Säcken für wenig Geld angeboten werden, zum Beispiel Äpfel, Zwiebeln, Lauch, Möhren, Pastinaken und andere Wurzelgemüse. Man kann frisch gebackenes Brot, Kringlor und Kanelsnäckor und frische Heringe kaufen, und außerdem kann man uralte Erntemaschinen in Einsatz erleben, Rinder mit Respekt einflößenden Hörnern streicheln, auf Ponys reiten und sich mit der Pferdekutsche durch den Ort chauffieren lassen. Die hiesige Landbevölkerung nutzt den Erntemarkt einerseits, um sich mit Obst und Gemüse zu bevorraten, andererseits um mal wieder mit den Nachbarn, die anders als in Deutschland nicht nebenan, sondern teilweise einen halben Kilometer weit weg wohnen, ins Gespräch zu kommen. 

Auch der alte Dorfladen war anlässlich des Erntemarktes wieder einmal geöffnet.

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