Donnerstag, 1. Oktober 2015

Steine waren heute unser roter Faden

Gesteinsschutt erinnert daran, dass auf der Insel einst mehrere Steinbrüche betrieben wurden.

Steine waren der Rote Faden unseres heutigen Ausflugs. Als erste Station hatten wir uns einen riesigen bronzezeitlichen Grabhügel auf einer an der südschwedischen Schärenküste weit in die Ostsee hineinragenden Halbinsel ausgesucht. Der Grabhügel liegt auf dem höchsten Punkt (50 Meter über dem Meerespiegel) der Halbinsel, und es war ein steiler Anstieg bis dort hinauf, aber es hat sich gelohnt. Auf Fotos sieht der Grabhügel gar nicht so groß aus. Erst, wenn man direkt davor steht und ihn zu Fuß umrundet, kann man seine Dimensionen so richtig erfassen. Beim Abstieg auf der anderen Seite der Halbinsel kamen wir an zahlreichen uralten Steinbrüchen vorbei, in denen Berge von Granitschutt erahnen lassen, wie viel Gestein hier einst in mühevoller Handarbeit mit Hammer und Meißel dem felsigen Untergrund abgetrotzt wurde. Am Fuße der alten Steinbrüche sahen wir einen modernen Steinbruch mit gigantischen Ausmaßen. Die dicken Lastwagen am Fuße des in den Fels gesprengten Kraters wirkten von oben wie Spielzeugautos.

Bronzezeitlicher Grabhügel auf dem höchsten Punkt der Halbinsel.

Unsere nächste Station auf der Spur der Steine war eine kleine Insel, die über einen Damm und eine schmale Fußgängerbrücke von der Halbinsel aus zu erreichen ist. Auch auf dieser Insel wurden früher Steine geklopft, und zwar wurden hier vor allem die kleinen, quadratischen Granitklötze hergestellt, die für Kopfsteinpflaster benötigt wurden. Außerdem sahen wir am Ufer der Insel einige riesige Felsbrocken aus rotem Granit, der dort natürlich gar nicht vorkommt. Die Felsbrocken wanderten einst mit dem Eis über mehrere hundert Kilometer aus dem Inland an die Küste.

Hier wurden vor allem die quadratischen Klötze für Kopfsteinpflaster produziert.

An der einen Spitze der Insel kletterten wir durch die steinernen Wälle einer  aus dem 16. Jahrhundert, von der aus die Einfahrt in den Hafen von Karlshamn gesichert wurde. Im 20. Jahrhundert wurden auf der Insel zahlreiche militärische Befestigungsanlagen aus Beton errichtet, die teilweise bis Anfang der 1980er Jahre genutzt wurden. Seitdem herrscht friedliche Ruhe auf der Insel, die nur gelegentlich gestört wird, wenn auf der Halbinsel nebenan im Steinbruch Sprengladungen gezündet werden, um auf diese Weise neues Gesteinsmaterial zu gewinnen.

Pause auf einer Bank aus Treibholz. 

Zu guter Letzt führte unsere Wanderung am ummauerten Friedhof der Festungskommandaten und an den Fundamenten eines ehemaligen Lotsenhauses vorbei. Die Schärenküste mit ihren unzähligen kleinen Felseninseln ist ein besonders tückisches Fahrwasser, und auch heute, im Zeitalter der Satellitennavigation, sind die Lotsen unerlässlich, um größere Schiffe sicher in den Hafen zu bringen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen